Auslandsreport
»Footy« in Australien


Es ist Sonntagsmorgens und da stelle ich mir die große Frage, was mache ich heute mit meinem freien Tag in Melbourne. Ich habe die Wahl zwischen faulenzen im Haus, Kultur mit Sightseeing in der Innenstadt oder doch ein Footy Match. Die Entscheidung wurde dann sehr schnell während der morgendlichen Toillete gefällt, es sollte das Footy Match (Melbourne vs St.Kilda) werden.



So schwang ich mich auf das Fahrrad und düste Richtung Bahnhof. Auf der Strecke musste ich feststellen, dass ich ziemlich schief angeschaut wurde von den Autofahrern und einzelnen Fußgängern. Ich checkte nochmal die Straßenseite, linke Spur bei Linksverkehr stimmte also, könnte aber auch am zu großem Fahrradhelm liegen, den man hier tragen muss. Als ich den Bahnhof erreicht habe, rief mir ein Australier wörtlich übersetzt zu »Du kannst kein Australier sein, wir sind zu faul um mit dem Fahrrad zu fahren« und lachte dabei. Im Nachhinein musste ich feststellen, dass ich keinen Fahrradfahrer gesehen habe auf dem Weg zum Bahnhof.



In Melbourne Innenstadt angekommen fragte ich erstmal einen Mann im Melbourne Trikot ob er auch zum Spiel geht und ob ich mich anschließen kann auf dem Weg zum MCG (Melbourne Cricket Ground). Er stellte sich als Jeff vor und so begann auch die Lebensgeschichte von Jeff die ich mir auf dem Weg anhören durfte. Die Geschäfte seines Unternehmens laufen nicht mehr so gut, die Mieter aus seinen Häusern zahlen nicht rechtzeitig und dass er die Darlehen im Moment nicht ganz zurückzahlen kann. Währenddessen passierten wir das Gelände der Australian Open und auch das Rugby Stadion der Melbourne Storms. Zum Glück sind wir dann am Stadion angekommen, Jeff wollte gerade anfangen von seiner Frau zu reden und ich kann mir vorstellen, dass es da auch nicht optimal gelaufen ist in letzter Zeit.



Erst mal ein Ticket gekauft was nur läppische 25 Australische Dollar (17 Euro) kostete, dazu noch freie Sitzplatzwahl in bestimmten Bereichen. Das Spiel war mit 53.000 Zuschauer gut besucht bei zwei Vereinen aus Melbourne. Allerdings wenn das Stadion eine Kapazität von 100.024 Sitzplätzen hat, sehen 53.000 Zuschauer nicht wirklich viel aus. Bei diesem Spiel könnte man auch von einem Derby reden, allerdings hat Melbourne sechs Teams in der Liga somit kommt es öfters zu einem Derby in der Stadt.





Erst mal die Treppen genommen zum dritten Rang um Bilder von ganz oben zu machen und mich gewundert warum ich der einzigste bin, aber oben angekommen wusste ich warum - die faulen Australier haben die Rolltreppe genommen. Nach der anstrengenden Tour meldete sich auch schon der Hunger vor dem Anpfiff und so kaufte ich erst mal einen Hot-Dog für schlappe 10 Dollar. Also die Person möchte ich gerne kennenlernen, die Tickets für 25 Dollar und einen Hot-Dog für 10 Dollar verkauft. Zum Entsetzen stellte ich fest das die Australier die Essenstände stürmten wie die Frauen den Sommerschlussverkauf für Schuhe.





Da es ein nicht sehr verbreiteter Sport ist möchte ich die wichtigsten Regeln, die ich mir von Kollegen in der Mittagspause erklären lassen habe, erläutern. Das Spiel geht offiziel 4 x 25 Minuten ohne Zeitanhalten, plus Nachspielzeit. Der Football darf entweder zum Mitspieler geschlagen oder gekickt werden. Wenn man den Ball nach einem Kick fangt und zurück geht darf man für eine bestimmte Zeit nicht angegriffen werden. Wenn man rennen will muss man den Ball alle 10 Meter auf den Rasen »bouncen«. Das Feld ist übrigens ein Oval und bis zu 185 Meter lang und 155 Meter breit. Punkte werden erzielt indem der Ball durch die Goalpost gekickt wird. Durch die mittleren gibt es 6 Punkte und durch die äußeren 1 Punkt. Getackelt werden darf nicht in die Beine und nicht oberhalb der Schultern. Fasziniert hat mich der Mann in Rosa der auf dem Feld für sein Team rumrennt und den Spielern Bescheid gibt, dass sie bei nächster Gelegenheit rausrennen zum fliegenden Wechsel. Im Vergleich zum Fußball rennt ein Footy Spieler 15-20 Kilometer in einem Spiel. Genug der Regeln, kommen wir lieber zum Spiel.





Schon vor dem Anpfiff teilen die Spieler mehr Körperkontakt aus als im Fußball je vorstellbar. Fußballspieler würden da schon auf dem Boden liegen und sich wahrscheinlich eine Rippe gebrochen haben. Hier mal ein kleinen YouTube Link der zeigt wie es dort zu Sache geht. https://www.youtube.com/watch?v=VF7oSCsmJgY Das Spiel plätscherte vor sich hin, das Heimteam ist besser und es sieht nach einer einseitigen Geschichte aus obwohl beide es noch in die Playoffs schaffen können. Halbzeitpause, nun erwarte ich ein kleines Kick-Game indem ein Zuschauer etwas gewinnen kann, aber erstaunlicherweise werden 6 Felder aufgebaut und kleine Kinder kommen auf das Feld und spielen Footy gegeneinander, in deutschen Fußballstadion unvorstellbar. Nach einem kurzen Comeback von St.Kilda in der zweiten Halbzeit mussten sie aber Melbourne den Vortritt lassen, die das Spiel mit 96:72 gewonnen haben, was den »Heimfans« natürlich gefällt. Nachdem die Spieler sich artig bedankt haben beim Publikum gehen sie in die Kabine was der Startschuss ist für die Leute den Rasen zu stürmen um dort mit ihren mitgebrachten Footys zu spielen. Das habe ich mir nicht zweimal überlegt und bin auf das Spielfeld gegangen, so schnell kommt man nicht mehr auf den Rasen eines Stadions mit mehr als 100.000 Sitzplätzen.



Nach meinem Aufenthalt auf dem Spielfeld machte ich mich auf den Weg zum Eureka Tower, mit 292 Meter das höchste Gebäude Melbourne, um wenigstens noch bisschen Kultur am heutigen Tag mitzunehmen.

Fazit: Footy ist ein geiler Sport, leider gibt es ihn nur in Australien. Das nächste Spiel muss nicht lange auf mich warten schon am nächsten Samstag spielen Coolingwood vs Geelong (Derby). Zu diesem Spiel werden 85.000 Zuschauer erwartet und ich werde mit Kollegen in einer VIP Loge vom Unternehmen sitzen (Studenten haben halt schon ein hartes Leben!).

P.S.L - 18.08.2017