Pfalz-Splitter
»Super-Gau« für Bienwald Kandel, Nordpfalz-Brasilianer übernehmen Tabellenspitze

Kennen Sie Rüssingen? Wohl kaum...Die kleine nordpfälzische Gemeinde im Donnersbergkreis zählt nur knapp 500 Einwohner, beherbergt aber mit dem Turn- und Sportverein Rüssingen immerhin einen Verbandsligisten. Dieser übernahm am vergangenen Wochenende durch den 5:1-Sieg über die DJK Phönix Schifferstadt vor 75 Zuschauern die Tabellenspitze in der Verbandsliga Südwest, Gruppe 2. Rüssingen spielte dabei mit elf Brasilianern in der Startformation! Auf der Ersatzbank saßen neben einem Mazedonier und einem Rumänen noch drei weitere Brasilianer. Trainiert wird das seit 2017 in der Verbandsliga kickende Team seit nahezu neun Jahren von Akgün Yalcin. Dieser verteidigt den ungewöhnlichen Weg des Vereins, mit einer brasilianischen Auswahl in der deutschen 6. Liga zu agieren: »Wir liegen hier halt nicht in einem großen Einzugsgebiet. Die Städte, in denen es ein Reservoir von verbandsligatauglichen Spielern gibt wie Mannheim und Ludwigshafen, Mainz oder Kaiserslautern sind leider weiter weg«, sagt Yalcin. »Im Donnersbergkreis sind wir derzeit mit Abstand der sportlich höchste Verein. Alles andere ist zwei Klassen tiefer, aktuell sehe ich da keinen Akteur, der uns weiterhelfen könnte. Außerdem sind viele Spieler zu verwurzelt. Die bleiben lieber zum Beispiel in ihrem Heimatdorf, als zu uns zu kommen. Der Fußball hat in den letzten Jahren einfach zu viele junge Leute verloren – an andere Sportarten und an die Playstation. Aber das ist die neue Zeit, und wir müssen damit klarkommen.« In Rüssingen wolle man, so Yalcin, dem Donnersbergkreis weiter Verbandsliga-Fußball bieten. »Deshalb war es notwendig, andere Wege zu gehen«, wurde Yalcin in der »Rheinpfalz« bereits im Juni 2019 zitiert. Über vom Verein 2019 organisierte Sichtungstrainings im brasilianischen São Pedro kam der TuS an eine ganze Menge offenbar talentierter Südamerikaner, die aktuell die Liga aufmischen.

Die Übernahme der Tabellenführung mit 13 Punkten aus fünf Spielen wurde durch einen Ausrutscher des bisherigen Rangersten FC Bienwald Kandel begünstigt, der zuhause dem TSV Gau-Odernheim unglücklich mit 1:2 unterlag und dabei, wie schon bei der Pokal-Niederlage gegen den gleichen Gegner am vergangenen Mittwoch, seinen verletzten Torjäger Noah Beierle schmerzlich vermisste. In der Krise bleibt Kandels Lokalrivale SV Rülzheim: Nach dem 0:3 gegen den TuS Marienborn verharren die Lilanen mit nur zwei Zählern auf dem letzten Platz. Der dritte südpfälzische Club Jahn Zeiskam war spielfrei.





Text & Bilder - ws - 14.10.2020