Leserbrief
Jugendarbeit in Karlsruhe


... ich weiss gar nicht wo ich anfangen soll oder aufhören soll. Ich habe selbst Jahrelang Fußball gespielt und bin seit über 10 Jahren Inhaber der Fußball B-Lizenz und im Jugendbereich tätig. Aber ich muss mir einfach mal Luft machen. Wie sich manche Vereine hier in Karlsruhe positionieren und sich gegenüber anderen Vereinen verhalten ist einfach eine Riesen-Sauerei. Wir als Verein, FC Alemannia Eggenstein, fördern unsere Spieler durch gute Trainingseinheiten und der Teilnahme an Sichtungslehrgängen bei denen wir auch unterstützen.

Daher ist bei uns einfach nur Unverständnis vorhanden über das Abwerben von Jugendspielern vorallem wenn es sich bei dem abwerbenden Verein nicht um ein Nachwuchsleistungszentrum handelt. Was ist hier der Mehrwert für den jungen Spieler von einem Dorf-Verein in den nächsten zu wechseln? Mir ist sicherlich bewusst, das gute/talentierte Spieler auch einen Anspruch haben, in einer höheren Klasse zu spielen; ich finde das grundsätzlich auch richtig, wenn die Motivation dahinter intrinsisch geprägt ist und nicht extrinsisch befeuert wird. Jedoch verstehe ich es überhaupt nicht, dass genau diese Vereine gezielt auf ganze Jugendmannschaften zugehen und Spieler abwerben. Besonderes Unverständnis besteht hier bei den Jahrgängen D-Jugend, da es da nur zwei Klassen gibt. Kreisliga und Kreisstaffel. Wir sind alle Trainer und ehrenamtlich unterwegs und mir persönlich liegt extrem viel an der Entwicklung gerade der jungen Spieler und wie oben schon erwähnt, fördere ich sogar deren Talente in dem ich die Kinder animiere zu den Sichtungstagen zu gehen und ein ordentliches Training mit ihnen absolviere.

Daher finde ich, dieses ganze Hintenrum-Gemauschel schadet dem Fußball mehr als dass es ihm hilft. Grundsätzlich, kann ich damit leider kein Verbot aussprechen. Aber es ist sicherlich auch nicht im Interesse des DFB oder gar das BadFV dass das genauso passiert wie es nun mal passiert.

Aber gerade im Jugendbereich und im jungen Erwachsenenbereich erwarte ich als Trainer beziehungsweise auch als Verein zumindest eine offizielle Anfrage, das gehört für mich zum guten Ton in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ihr sorgt auch dafür, dass die Arbeit vieler ehrenamtlicher Trainer der Vereine, untergeht, in der Art und Weise, wie ihr die Spieler abwerbt. Das Ganze auch, beziehungsweise obwohl, ihr eine eigene große Jugendabteilung besitzt, wovon andere Vereine nur träumen können.

Fazit: Ihr holt einen Haufen Spieler, aber was passiert mit den Kindern die den Sprung nicht schaffen, weil dann doch 15 oder 20 Spieler besser sind? Diese Kinder verliert der Fußball - junge Talente, die einfach noch Rohdiamanten sind; die einfach noch ihr vertrautes Umfeld benötigen um sich zu entwickeln und auch die Chance haben, dass bei ihrem Heimatvereinen zu tun. Jedes Kind möchte sicherlich auch erfolgreich sein aber die persönlichen Risiken die da entstehen, können die jungen Spieler nicht einschätzen und zum Teil auch die Eltern nicht. Ebenfalls steuert das Werben um junge Talente von nicht Nachwuchsleistungszentren auch dazu bei, dass es keinen wirklichen Wettbewerb mehr gibt und die Kinder bereits mit den besten Spielern ihrer Altersklasse zusammen spielen und keinen echten Wettkampf mehr haben. Außer evtl. im Training um die Startplätze. Da bringt es dann auch nichts in der Jugend, wie vom DFB gewünscht, FUNino Spieltage abzuhalten und mit den Kindern Kleinfeldspiele zu machen. Wenn die Kinder im realen Wettkampf selten in genau diese Pressing Situationen kommen. Auch eben genau die etwas schlechteren Teams kaum Ballbesitz haben um da ihr Können im echten Wettkampf zu schärfen und die nötige Erfahrung zu sammeln.

Dieser Gruß geht ganz speziell von mir, Michael Kwasny, an den FC Germania Friedrichstal und hat nichts mit dem FC Alemannia Eggenstein zu tun.



Michael Kwasny - 18.05.24