Vincent Feigenbutz (25)
»Ich bin guter Dinge dass ich den Kampf für mich entscheide!«


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Servus Vincent. Wir wunderten uns, dass du als Profiboxer diverse Kicks in den Fußballkreisklassen der Fächerstadt bestritten hast. Ein gefährliches Unterfangen aufgrund der Verletzungsgefahr, oder?

Vereine Jugend


• SG Daxlanden

Vereine Senioren

• DJK Mühlburg
• SG Daxlanden

Titel im Boxen

• IBF Inter Continental Champion im Mittelgewicht


Vincent Feigenbutz

Ich hab ja mit Fußball früh angefangen. In Daxlanden begann alles. Ich meine ein guter und intelligenter Fußballer zu sein. War auch im Auswahlverfahren und fand, mich dort bewiesen zu haben. Allerdings wurde ich im Fußball nicht gefördert, weil ich keine Kontakte und kein Vitamin B hatte. Trainer-Freunde und Trainer-Söhne kamen weiter … das hat mir damals sehr gestunken. Ich hab dann für mich weiter gespielt bis ich einen beim Kicken vom Bulldog-Gym kennenlernte. Über seinen Bruder kam ich zum Boxen. Ich war schon immer ehrgeizig und liebte das Kämpfen. So merkte ich schnell, dass mir der Boxsport liegt. Dort war dann Jürgen Lutz als Trainer, der relativ schnell erkannte, dass man aus mir was machen könnte und so war der Wechsel vom Mannschaftssport, Fußball zum Einzelsport, Boxen, perfekt. Dort wird man gefördert, wann man gewinnt. Mir war stets bewusst, dass das Kicken Verletzungsgefahren mit sich bringt. Man kann sagen, ich war leichtsinnig aber mir macht der Fußball weiterhin Spaß und er bietet eine Abwechslung zum Alltag. Zudem bin ich der Meinung dass meine Tugenden wie Kampf und Antizipation, im Fußball sowohl als auch im Boxen gefordert werden. Ist ein Kampf terminiert, dann fokussiere ich mich auf die Herausforderung und der Fußball ruht. Habe ich Zeit; steht kein Kampf an, dann spiele ich gerne in Daxlanden oder bei Scharinger & Friends für einen guten Zweck. Dort ist auch die Gefahr einer Verletzung geringer weil es doch oft sehr freundschaftlich und fair bei Benefizspielen zugeht.

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Waren die Gegenspieler besonders motiviert oder besonders ehrfürchtig? Gab es Autogrammwünsche nach dem Spiel?

Vincent Feigenbutz

In der heutigen Zeit ist das mit den Autogrammwünschen nicht mehr so. Da kommt mal während des Spiels, »oh, der Feigenbutz« oder sie wollen nach dem Spiel ein Selfie. Ansonsten hat sich das relativ in der Bahn gehalten. Man merkt schon dass man als Spieler im Fokus der gegnerischen Spieler steht. Wie gesagt; eher Selfie statt Autogramm. Die heutige Generation kennt die »Autogrammkarte« im herkömmlichen Sinn nicht mehr so.

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Wie bei Regina Halmich gilt Daxlanden als deine Heimat. Sind die »Schlaucher« besonders geeignet für das Boxen?

Vincent Feigenbutz

Alle guten Dinge sind drei. Jetzt gab’s die Regina für die Frauen; mich für die Männer. Jetzt warten wir mal ab ob noch mal ein Mann oder eine Frau aus Daxlanden kommt und was Großes im Boxsport reißt. Das wäre natürlich super. Wenn es dann drei Leute gäbe, dann könnte man sagen aus Daxlanden kommen die Boxer; die Kämpfer. Wir haben zwei Drittel; jetzt machen wir das Ding noch voll und dann können wir Daxlanden zum Kämpfervolk küren.

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Anders als im Fußball (FIFA) gibt es vier Boxverbände? WBC (Mexiko), WBA (USA), IBF (USA), WBO (Puerto Rico). Wie unterscheiden sich die Verbände und welcher ist der wichtigste?

Vincent Feigenbutz

Die gibt’s schon immer beziehungsweise haben sich früher entwickelt. Die sind etwa im gleichen Zeitraum entstanden und haben sich stets gehalten. In der Neuzeit sind aber auch immer wieder neue Verbände hinzugekommen. Eigentlich sind diese Verbände für gewisse Beziehungen vorhanden, damit Geld verdient wird. Jeder kann einen Verband aufmachen, der Kohle besitzt. Dann müssen sie nur hoffen, dass die Boxer in diesem Verband eben auch boxen wollen. Ich würde mal behaupten; wie man es oft auch in Filmen sieht; der WBC mit dem grünen Gürtel; gemeinsam mit dem IBF sind die wichtigsten Verbände. Dann kommt der WBA und dann der WBO. Die beiden Erstgenannten haben für mich die größte Bedeutung. Soll aber nicht heißen, dass nicht alle vier wichtig sind. Ich vergleiche das mit Fußballturniere, wo wir ja bekanntlich auch eine WM, eine EM, Champions-League und/oder Euro-League spielen.

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Als IBF Inter Continental Champion im Mittelgewicht kommst demnächst zum Kampf gegen Felix Sturm. Der Leverkusener ist 16 Jahre älter als du und verfügt über eine Menge Erfahrung. Vorteil Sturm (Erfahrung) oder Vorteil Feigenbutz (Alter)?

Vincent Feigenbutz

Wenn ich gegen den Sturm boxe, dann nicht im IBF. Diesen Titel habe ich ja bereits im Mittelgewicht. Der Gegner will ins Super-Mittelgewicht und wird daher seine aktuellen Titel im Mittelgewicht verlieren. Das ist so, wenn man in eine andere Gewichtsklasse wechseln möchte. Beim anstehenden Kampf wird es um einen Titel gehen - um welchen, weiß man noch nicht. Alter und Erfahrung … da hat der Sturm sicherlich klare Vorteile. Er hat natürlich mehr Kämpfe bestritten. Ich bin jung, fit, stark, hab ein sehr gutes Team um mich herum und habe technisch zugelegt. Also mehr Faktoren, die für mich sprechen. Ich bin guter Dinge dass ich den Kampf für mich entscheide.

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Solltest du den Kampf gewinnen, dann steht wohl außerhalb Deutschlands der wohl wichtigste Kampf für dich an ….?

Vincent Feigenbutz

Wie es bei einem Sieg weitergeht? Dann gibt’s in Deutschland eigentlich keinen namhaften Boxer mehr als Gegner für mich. Meine Ziele liegen dann außerhalb der Republik, auch weil der Boxsport hierzulande weder vom Verband, noch von den Medien, noch von den Fans unterstützt wird. In England, im Osten oder in den Staaten gehen die Zuschauer ab - da wird regelrecht geschrien, auch wenn du als Deutscher dorthin kommst. Ich hab mal in Polen einen Polen besiegt und bin anschließend von Polen gefeiert worden. Das gibt es in Deutschland nicht. Das ist halt die Mentalität. Der Deutsche mag halt den langweiligen Fußball - in anderen Ländern genießt der Kampfsport eine weitaus höhere Anerkennung. Deshalb liegt meine Zukunft dann doch eher im Ausland.


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Rückblickend - mit allem Drumherum. Was war deine kurioseste Reise im Boxsport?

Vincent Feigenbutz

Das war gleichzeitig meine größte Reise. Amerika - anderer Kontinent, andere Mentalität. Die Leute waren supernett; ob im Hotel oder anderswo. Die haben uns als Team super aufgenommen. Die waren sehr boxbegeistert und sehr freundlich. Als die hörten dass wir kommen zeigten die eine enorme Sportbegeisterung; wollten viel wissen - ganz anders als in Deutschland. Auch während dem Kampf haben die angefeuert - wohl mehr den Ami aber auch in meine Richtung. Für mich auch richtungsweisend, weil ich wohl merkte, dass einiges in unsere Organisation und in der Vorbereitung unprofessionell lief. Anschließend trennte ich mich von meinem damaligen Team. Spät aber gerade noch rechtzeitig. Seitdem manage ich mich selber, nehme alles selber in die Hand. Hab ein neues Umfeld, ein neues Team - mir gehts hervorragend und es läuft auch super. Wir haben gleich danach einen brillanten Kampf in Berlin abgeliefert, als ich Jamal Saidi im Mittelgewicht schlagen konnte. Das war für mich der Wendepunkt in meiner Karriere.

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Wie fühlt sich Vincent Feigenbutz am Morgen des nächsten Tages, nachdem es am Vorabend ordentlich im Ring gekracht hat. Man munkelt ja, dass du selten alle Runden machen musst. Man nennt dich nicht umsonst K.O.-King … Dennoch denke ich, dass jeder Kampf seine Spuren hinterlässt.

Vincent Feigenbutz

Direkt nach dem Kampf ist man adrenalingeladen. Ich komme vor drei vier Uhr nicht in den Schlaf. Deswegen ist der Tag danach meist chaotisch. Man hat kaum geschlafen; ist müde; hat Muskelkater - auch bei kurzen Kämpfen. Man war angespannt und ist erschöpft, als hätte man ne Nacht draufgemacht. So kann man sich das vorstellen. Bei einem Kampf über zwölf Runde merkt man, dass man körperlich was geschafft hat. Man verspürt leichte Muskelrisse, hat blaue Flecken und einen Muskelkater. Da knackt was, da tut was weh.

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Wie müssen wir uns den Tagesablauf eines Profiboxers vor einem wichtigen Kampf vorstellen?

Vincent Feigenbutz

Wenn man einen Kampftermin bekommt, dann dauert die Vorbereitung acht bis zwölf Wochen. Da hat man seine Phasen wie Krafttraining, Ausdauer, Spannungsphase. Meistens fängt es mit Kraft an, dann geht man in die Kraft-Ausdauer, Praxenphase, Technik … und die letzten drei vier Wochen sind dann meist Sparing (Eins gegen eins). Ich trainiere sechsmal die Woche; zweimal am Tag (morgens und nachmittags). Nach dem Aufstehen wird gleich trainiert. Dann geht’s heim, das Frühstück nachholen, denn vor dem Training essen ist nicht ideal. Dann ein bißchen das Mittagessen vorbereiten. Etwas ausruhen, je nachdem. Als Selbstständiger hat man ja immer etwas zu tun. Zumindest fällt mir etwas ein, was ich zu tun habe. Dann geht’s nachmittags wieder los ins Training. Ballern, Vollgas geben und abends geht’s wieder heim, essen, ausruhen denn dann ist man echt kaputt. Dann natürlich versuchen gut zu schlafen - das ist wichtig. Doch je nachdem wie hart das Training war … man ist zwar erschöpft doch meistens tut der Körper das Training noch verarbeiten. Morgens wieder raus … das geht halt acht Wochen so. Zuletzt war ja ne Scheißsituation in der Welt aber ansonsten geht man auch zwei drei Wochen ins Camp. Manche zu Beginn der Vorbereitung; manche in der Schweissphase. Das würde ich in die nächste Vorbereitung mit reinnehmen, wenn wieder alles erlaubt ist. Dann kommt dazu, dass man sagt, »komm, wir gehen ein bißchen in die Berge, abschalten!«. Dann kann man sich aufs Training konzentrieren; bißchen spazierengehen, was anderes sehen. Aber so kann man das sagen. So läuft in Etwa der Tag ab. Ziemlich strukturiert - Training, essen, ausruhen, schlafen, regenerieren … fulltime die Woche.

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Du hast es angesprochen. Camp in Coronazeiten is nicht. Inwieweit hat euch Boxer als Einzelkämpfer der Virus ausgebremst? Auf was musstest du alles verzichten?

Vincent Feigenbutz

Es ist ja eine private Halle und als Profiboxer können beziehungsweise durften wir trainieren. Somit hatte ich mit dem Training keine Probleme. Klar - in der Halle haben wir nicht alle Fitnessgeräte - die Studios hatten ja geschlossen. Aber mein Boxtraining konnte ich über den gesamten Zeitraum hin ausführen. Bei gutem Wetter durfte man ja auch mal draußen trainieren. Wir als Profisportler und da spreche ich auch für Profis in anderen Sparten, hat der Virus nicht groß eingeschränkt. Schlimm ist es beziehungsweise war es für die ganzen Amateursportler, die ihr Hobby nicht ausüben durften.


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Ab wann kann ein Boxer mit seinem Hobby Geld verdienen, sodass er davon leben kann?

Vincent Feigenbutz

Grundsätzlich brauch man Sponsoren, Unterstützer und Promoter, die in den Boxsport investieren. So ist das ja in fast allen Sportarten. Keine Sponsoren - keine Gelder. Um richtig Geld zu verdienen musst du die Nummer eins, zwei oder drei sein. Willst du mit 35 bis 40 Jahren ausgesorgt haben, dann solltest du den Weltmeistertitel holen. Alle darunter verdienen ihr Handgeld um das aktuelle Leben zu bezahlen. Mehr Geld ist für den Kampfsport eben nicht da. So ist das leider …

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Gebe ich im Internet ein, die besten deutschen Boxer, dann kommen in dieser Reihenfolge … Maske, Schulz, Abraham, Ottke, Weller, Scholz, Schmeling, Heuser, May und Sturm. Würdest du das so unterschreiben? Mit welchen dieser Herren würdest du dich vergleichen?

Vincent Feigenbutz

So wie das in der Liste steht, kann ich das bestätigen. Vom Können her, von der Beliebtheit her passt das so. Boxer vergleichen ist schwierig. Jeder Boxer ist individuell. Fakt ist, dass die größten Boxer aus England und der USA kommen. Ich selber hab keine Vorbilder; schau mir aber gerne die großen Boxer an. Von jedem kann man was mitnehmen. Daraus bild ich mich und bin mein eigener Fan. Jeder hat was Gutes; jeder hat was Schlechtes.

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Dein Wunsch für die nahe Zukunft?

Vincent Feigenbutz

Das eben der Boxsport viel mehr Aufsehen bekommt; dass der Kampfsport viel mehr Aufsehen bekommt. Deutschland ist sehr fussballlastig und das nervt natürlich, dass für andere Sportarten kein Platz ist. Der Sport im Allgemeinen gehört gefördert - überall. Der Boxsport war schon immer ein großartiger Sport. Ich würde mir mehr Aufmerksamkeit, auch in den Medien - ehrliche Medien - wünschen. Für mich selber wünsch ich mir den Weltmeistertitel um Sponsoren und Medieninteresse zu gewinnen. Überdies hinaus wünsch ich mir für alle Gesundheit und dass es uns allen gutgeht.


pfoschdeschuss - 04.06.21