Phil Weimer (25)
»... dann bleibt zu Hause und werdet keine Trainer«



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Servus Phil. Traumtor gegen Ettlingenweier II und nach einem 6:0 Platz eins in der Liga. Was ist in der laufenden Saison möglich?

Phil Weimer

Hey Oli, vielen Dank für die Lorbeeren. Weitschüsse sind normalerweise nicht gerade meine Paradedisziplin, aber dieser Schuss ist mir zum Glück ausreichend abgerutscht. Ich freue mich einfach, dass ich der Mannschaft helfen kann, was ich überwiegend durch defensive Stabilität versuche. Als Mannschaft versuchen wir von Spiel zu Spiel uns weiter zu entwickeln und wollen dieses Jahr auch in der Tabelle noch weiter nach vorne schauen. Nach der Gründung des Vereins 2010, würden wir zum Jubiläum 2020 gerne auch zu den Feierlichkeiten aus sportlicher Sicht beitragen.

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Als Neureuter spieltest du in Walldorf, Mannheim und Spielberg Oberliga. Was hat sich letztendlich in die A-Klasse getrieben?

Phil Weimer

Ich bin schon lange mit dem KIT SC sehr verbunden, habe ich doch an der Uni Sportwissenschaften studiert und parallel beim Verein als Co-Trainer über 4,5 Jahre eine wirklich schöne Zeit gehabt. Aus beruflicher sowie privater Situation hatte ich dann zum Ende 2018 meine Schuhe an den Nagel hängen müssen, es aber nicht länger als ein halbes Jahr ausgehalten, sodass ich nach der Winterpause bei den Fröschen am Adenauerring zur Wintervorbereitung aufgeschlagen habe.


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Was macht KIT deines Erachtens attraktiv für einen Fußballer?

Phil Weimer

Der KIT SC ist ein wirklich außergewöhnlicher Verein, der nur auf Basis von viel Engagement seitens der Spieler überhaupt lebensfähig ist. Kein Spieler bekommt hier auch nur einen Cent an Geld. Jegliche organisatorischen und administrativen Aufgaben müssen selbst übernommen werden (zum Beispiel Platz zetteln, Trikots waschen und bringen, Verpflegung am Spieltag, Schiedsrichterbetreuung, Spielbericht und vieles mehr). Hier lernst du was alles dazu gehört um Wettkampfsport zu betreiben. Das ist für mich noch der echte Fußball, ohne Geld, keine Allüren, nur Fußball. Zudem ist es ein Mix aus unterschiedlichen Leuten, viele aus anderen Städten oder Ländern, in einer interessanten Lebensphase. Da gehen einem die Gesprächsthemen nie aus.


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Überrascht dich die Entwicklung deines Heimatvereins, FC Neureut? Überrascht dich die Entwicklung deiner letzten Oberliga-Station, SV Spielberg?

Phil Weimer

Aus der Ferne betrachtet freut es mich sehr, dass alle Neureuter Vereine eine positive Entwicklung in den letzten Jahren genommen haben, bin ich doch mit allen in gewisser Weise eng verbunden. Aufgewachsen bin ich beim FV Fortuna Kirchfeld als ich meinen Vater mehr als 10 Jahre in meiner Kinderzeit jedes Wochenende auf den Sportplatz begleitet habe. Gleiches danach in meiner Jugendzeit beim FC Germania Neureut von dem ich nur ein paar hundert Meter entfernt aufgewachsen bin. Selbst gespielt habe ich beim FC Neureut, bei dem ich nach wie vor noch in der AH aktiv bin und jede Gelegenheit wahrnehme auch hier noch mit den alten Kollegen zu kicken. Wohnhaft bin ich aktuell in Spielberg, dessen Entwicklung ich eng verfolge und mitbekomme. Hier habe ich das Gefühl, dass nach ein paar schwierigen Jahren mit vielen vereinsspaltenden Brandherden nun endlich ein bisschen Ruhe eingekehrt ist und unter der Führung von Sebastian »Effe« Weber ein gutes, erfolgshungriges Team aufgebaut wurde, dass in der Verbandsliga eine gute Rolle spielen kann. Das wünsche ich diesem Verein wirklich von Herzen.


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Rückblickend - was würdest du als deinen größten sportlichen Erfolg sehen - welchen Tag würdest du hingegen am liebsten aus dem Werdegang streichen?


Phil Weimer

Fußball ist meine Leidenschaft, mein Sport, meine Liebe. Ich möchte keinen Tag missen, auch nicht eine einzige Trainingseinheit bei der man sich mit seinen Mannschaftskollegen misst, versucht seine Leistungsfähigkeit zu verbessern, Spaß zu haben. Ganz besonders in Erinnerung bleiben natürlich die großen Spiele: Weltmeister 2010 mit der Uni-Mannschaft aus Karlsruhe, der Aufstieg mit Spielberg in die Regionalliga nach einer Wahnsinns-Saison 2015, die Derbys mit Waldhof Mannheim gegen Offenbach, meine Einsätze in der Studenten-Nationalmannschaft.

Negative Erlebnisse hat man auch immer wieder zu verdauen. Diese versuche ich für mich allerdings immer positiv zu kanalisieren und als Möglichkeit zu sehen mich als Mensch weiterzuentwickeln, daher habe ich jetzt gar keine so außergewöhnliche Geschichte auf Lager. Selbst mein Kreuzbandriss 2016 habe ich so gut nutzen können, um in anderen Bereichen des Fußballs Erfahrungen zu sammeln.


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Wie siehst du die Zukunft des Vereinsfußballs?


Phil Weimer

Fußball ist in Deutschland nach wie vor Volkssport Nummer 1. Die Entwicklung der Zuschauerzahlen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in den höchsten deutschen Ligen spricht für sich, hier ist eine stetige Entwicklung zu sehen. Im unteren Amateurbereich ist hingegen immer öfter eine gegenteilige Entwicklung festzustellen. Viele Vereine haben große Probleme beim Thema Mitglieder, Ehrenamt und Nachwuchs. Wenn ich mir heutzutage zum Beispiel eine A-Jugend-Tabelle auf Kreisebene anschaue, dann fällt doch auf, dass ohne einen Zusammenschluss von 3, 4 oder gar 5 Vereinen gar nichts mehr gehen würde. Das stimmt schon nachdenklich. Nichtsdestotrotz glaube ich an die Werte des Fußballs, Emotionen, Leidenschaft, Erfolgsgeschichten. Dies wird immer begeistern und den Sport am Leben lassen.


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Welche Änderung im regionalen Fußball würdest du ändern, wenn du die Möglichkeit hättest?

Phil Weimer

Wer schon einmal selbst Trainer war, kennt diese Situation: du kannst nur 11 Spieler aufstellen, vielleicht 3 bis 4 Spieler erst gegen Ende des Spiels einwechseln. Im Sinne des Spiels sollte man viel mehr Spielern die Möglichkeit geben Teil des Erfolgs zu werden, immer wieder ein- und auswechseln können (ohne dass dies als taktisches Mittel zum Zeitspiel missbraucht werde). Dies hätte sicher einen positiven Einfluss auf den Teamgedanken und auch für den Wirt des Clubhauses, wenn nicht gleich die halbe Mannschaft frustriert nach dem Spiel abhauen würde.

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Was ärgert Phil Weimer?


Phil Weimer

Schlecht organisierte Trainingseinheiten oder gar solche, in denen man bloß um den Platz läuft. Wenn man es nicht schafft seine Spieler für das Spiel zu begeistern und sie fußballerisch wie menschlich zu fördern, sondern nur sich selbst zu profilieren, dann bleibt zu Hause und werdet keine Trainer

pfoschdeschuss - 01.09.2019


















Jugendvereine

FV Fortuna Kirchfeld
FC 08 Neureut
Karlsruher SC

Seniorenvereine

FC 08 Neureut
SpVgg Oberhausen
FC Astoria Walldorf
VfR Mannheim
SV Waldhof 07 Mannheim
SV Spielberg 1920
KIT SC 2010 Karlsruhe

Trainerstationen

KIT SC 2010 Karlsruhe
Stützpunkttrainer Richen & Pfinzweiler
Badische Auswahl (U13 & U14)
Studentennationalmannschaft Frauen
Videoanalyst SV Sandhausen Profis