Wolfgang »Wolf« Schmitt (51)
»Jens, nimmst du dich noch ernst?«.


pfoschdeschuss
Ämter

• Jugendtrainer SVK Beiertheim (2010-2017)
• Jugendleiter SVK Beiertheim (2012-2017)
• Mitarbeiter Presse SVK Beiertheim (2012-2017)
• Abteilungsleiter SpVgg Durlach-Aue (2018/19)
• Mitarbeiter Presse SpVgg Durlach-Aue (seit 2017)

Servus »Wolf«. Wir kennen uns schon einige Jahre und ich habe dich als enthusiastischen Fußball-Freak kennengelernt, dem keine Aufgabe zu groß, kein Weg zu weit war. Lange Jahre warst du in Beiertheim als Jugendleiter aktiv. Warum hast du dieses Amt damals beendet?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Alles hat seine Zeit. Die fünfeinhalb Jahre als Jugendleiter in Beiertheim waren insgesamt super aber während in der Jugend relativ ambitioniert gearbeitet wurde, stürzte die Aktivität damals von der Landesliga bis in die A-Klasse ab. Das passte einfach nicht mehr zusammen. Und wenn dir dann noch ein (damaliger) Funktionär aus dem Förderverein nach drei Tagen voller Arbeit rund um diverse Jugendturniere sagt, du würdest nur auf deinem »Hintern sitzen und Arbeiten delegieren«, ist das mehr als verletzend. Das muss man nicht dauerhaft haben. Zudem herrscht im Verein teilweise ein recht gepflegtes Spießertum, das sich in vielen, vielen Kleinigkeiten zeigt. Das Ausgangstor des Sportgeländes hin zur Günther Klotz-Anlage ist seit Monaten wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Was soll denn das bringen? Da laufen ja keine Massen im Pulk durch, die das Virus auf die Sportplätze tragen. Ich werde auch nie vergessen, dass die Alten Herren am Abend des 01.Juni 2017 trainierten und danach ihr eigenes Bier tranken, während die C-Jugend des Jahrgangs 2002 von Mathias Becker gleichzeitig nebenan das Kreispokalfinale gegen den TSV 05 Reichenbach austrug und gewann. Das hatte mit Vereinsdenken nichts zu tun und war auch äußerst respektlos gegenüber der besten Mannschaft in der gesamten Abteilung Fußball. Und gegenüber dem Abteilungsleiter Schneider und dem Jugendleiter Schmitt, die »Hüttendienst« hatten. Ein letztes Beispiel: 2012/13 wurde im Winter eine vier- oder fünfwöchige Winterpause für alle Fußballteams des SVK ausgerufen, obwohl die Herrenmannschaft im Abstiegskampf der Kreisliga stand und dann im Januar bestes Wetter herrschte. Ich habe die Verantwortlichen damals gefragt, ob sie auf dem Kunstrasen Tiere ausstellen wollen, wenn er schon für das Training gesperrt wurde. Mit meiner D2-Jugend habe ich dann über Michael Geppert für vier Wochen den Kunstrasen des FC Südstern für einige Einheiten angemietet. Das haben die Eltern meiner Spieler bezahlt. Wir sind danach mit 10 Punkten aus vier Spielen in die Rückrunde gestartet und haben so mit dem jüngeren Jahrgang den Klassenerhalt in der Leistungsstaffel früh klargemacht. Die Herren stiegen übrigens ab.


Mittlerweile ist ja der Jahrgang 2002 samt Erfolgstrainer Becker schon im Herrenbereich angelangt. Becker und sein Adlatus Jürgen Bangert, den ich sehr schätze, haben zusammen mit »Kraftwerk« Klaus Gerstner den Förderverein übernommen und die Mitgliederzahl dort vervierfacht. Also sind die Dinge dort jetzt wieder in einem sehr guten Fahrwasser, zumal Andy Jung als Jugendleiter ideal für den Verein ist. Ohne den »Motor 2002« wäre aber vieles nicht so, wie es jetzt ist.

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Anschließend fand man dich bei der SpVgg Durlach-Aue. Dort wurdest du nicht glücklich?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Das stimmt so nicht. Ich ging ursprünglich nach Aue, um die Arbeit der Jugendleitung um Sascha Kühfuss medial zu unterstützen. Komplett ehrenamtlich. Das mache ich ja auch heute noch. Nur etwas dosierter. Den Posten des Abteilungsleiters Fußball anzunehmen, war ganz klar ein Fehler meinerseits. Ich denke, da braucht man ein dickeres Fell und mehr Stallgeruch als Fußballer. Es ist auch nicht mein Ding, »Superstars aus der 6.Liga« alles zu richten und ständig jede Kleinigkeit zu regeln. Jetzt bin ich wieder am richtigen Platz, als freier Mitarbeiter im Bereich Presse/Medien. Aue ist ein Verein wie das Leben, mit sonnigen und schattigen Seiten, aber mit sehr viel Herz und ziemlich laut. Wie ich (haha). Leute wie Rainer Rittershofer und der immer direkte Thomas Kies oder Aue II-Trainer Markus Purawiec sind auf ihre Art große Klasse. Und in der Jugendleitung machen besonders die beiden Ladies Alex Barthlott und Viola Frankenberg einen tollen Job. Es herrscht insgesamt ein offeneres Klima, wo auch der Freigeist und bisweilen schwierige Mensch Wolfgang Schmitt weitgehend akzeptiert wird. Präsident Andy Reichel hat da ein ganz gutes Händchen für mich.

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Inzwischen hast du dich vom Fußball zurückgezogen … was sind die Gründe des Rückzugs?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Das muss man relativieren. Mein Interesse am Fußball ist noch immer sehr groß, aber es ist mittlerweile wirklich zu viel Geld im Spiel. Nicht nur in den ersten drei Ligen. Das schreckt ab, und zwar schon in der Verbands- oder Landesliga, wo in der Regel ja nur 100 bis 250 Leute zuschauen. Für wen veranstalten die Sponsoren also das ganze Spektakel in Dörfern wie Mutschelbach oder Büchelberg (Pfalz)? Klar, da kommen bei Derbys auch mal mehr Besucher, aber es ist doch sehr überschaubar. Die drei Karlsbader Vereine in der Verbandsliga überbieten sich doch aktuell gerade im Wettstreit um sportliche Höchstleistungen. Aber wo sind eigentlich aktuell ihre Jugendmannschaften? In der Kreisliga oder Kreisklasse. Da lobe ich mir einen Verein wie den VfB Bretten, wo die sehr gute Jugendarbeit der letzten Jahre auch bei den Herren durchschlug. In der Landesliga-Mannschaft des VfB findet man ja fast nur Eigengewächse, ohne dass dort ein Großsponsor das Zepter schwingt. Die Brettener werden auch mal wieder absteigen, aber ihr Weg ist der richtige. Auch Beiertheim (jetzt mit den 2002ern) oder Aue können mit ihrer starken Jugend eigentlich nur diesen oder einen ähnlichen Weg gehen…Wobei das in der Großstadt nicht so leicht ist, denn da sind die Kids anspruchsvoller und es locken ja genügend Clubs mit »gutem Geld«.

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Wenn du auf einem Sportplatz anzutreffen bist, dann zumeist in deiner Heimat, der Pfalz. Leben die Pfälzer den Fußball anders als wir Badener?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Sagen wir so: Die (der) Schorle ist dort größer und billiger und die Menschen sind ein wenig offener von der Art her. Und ich bin nun mal Pfälzer, da hockt man gerne an gemütlichen Orten wie »Im Rott« beim FSV Steinweiler. Aber ich bin auch gerne in Baden unterwegs, nicht nur in Aue. Zuletzt war ich mit Freunden aus der Pfalz zum Weißwurstfrühstück nebst Fußball bei der FSSV Karlsruhe, wo vor allem Paul Gärtner ganz neue Wege beschreitet und den Verein medial ziemlich geistreich nach vorne bringt, wo ich mich aber auch gefreut habe, FSSV-Urgestein Peter Marx getroffen zu haben. Der FV Ettlingenweier zum Beispiel ist ebenfalls ein geiler Club, die sind sehr gut organisiert und freundlich. Das FVE-Sportfest ist Legende. In der Pfalz kommen im Schnitt aber eben doch ein bisschen mehr Zuschauer als in Baden, vor allem in den kleineren Orten (der SV Rülzheim, der TSV Fortuna Billigheim-Ingenheim oder Viktoria Herxheim und TuS Knittelsheim sind da federführend), während in den Mittelstädten wie Frankenthal, Neustadt und Landau der Fußball ziemlich am Boden liegt und nur in den unteren Klassen stattfindet. Aber gerade in Landau gibt es jetzt auch ziemlich positive Entwicklungen mit dem neuen Jugendförderverein und den beiden Kunstrasenplätzen. Mal sehen, was daraus entstehen wird.

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Dennoch wirst du auch schöne Erinnerung an dein Dasein im Fußball hegen. An was erinnerst du dich gerne zurück?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Da gibt es tausend schöne Erinnerungen. Die Aufstiege der 2002er in Beiertheim als »Fan und Reporter« zu begleiten war genauso schön wie der der Dreifachaufstieg der Aumer Jugenden von den C- bis A-Junioren im Jahr 2018. Und als Übungsleiter war es toll, mit den Jahrgängen 2001, 2004 und 2005 sowie 2006 in Beiertheim manche Meisterschaft, Staffel oder manches Turnier zu gewinnen (E- und D-Jugend). Außerdem finde ich es faszinierend, über Landau Süd zu berichten, auch wenn das viele kritisieren. Das ist mir aber vollkommen egal, weil Martin Koch junior den Verein 2014 wieder gegründet hat und seitdem führt, von der D-Klasse in die B-Klasse aufgestiegen ist, was eine große Leistung darstellt und sicher viel Energie kostet. Über die vielen Erlebnisse mit RWE könnte ich stundenlang berichten, aber das würde den Rahmen sprengen und interessiert ja hier keinen.

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Nun ist es so, dass du als großer Brasilien-Fan giltst. Was fasziniert dich an der Selecao?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Die gelben Trikots mit den blauen Hosen galten früher als die Verkörperung von Fußballzauber. Das hat mich bei meiner ersten, bewusst erlebten WM als Achtjähriger fasziniert, obwohl Brasilien 1978 nicht so sehr zauberte und »nur« Dritter wurde, vermutlich auch durch Betrug (Stichwort: Argentinien gegen Peru). 1982 spielten sie dann super Fußball, wurden aber von Italien ausgebremst. Die Titelgewinne 1994 und 2002 habe ich gefeiert und bei Spielern wie Zico, Falcao, Dr.Sócrates, Eder, Roberto Carlos, Ronaldo, Rivaldo und Ronaldinho ging mir das Herz auf. Das wird sich nie ändern, denn der Puls steigt, wenn Brasilien spielt. 2010 lagen sie im Viertelfinale der WM durch Robinho mit 1:0 in Führung gegen die Niederlande. Plötzlich wurde ich völlig nervös und hatte Schweißausbrüche, in unbewusster Erwartung des Unheils. Wesley Sneijder drehte die Partie innerhalb von 15 Minuten und ich war zerstört ….


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Wolfgang S. würde nie …

Wolfgang »Wolf« Schmitt

... die AfD wählen!

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Wem würdest du gerne welche Frage stellen?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Jens Spahn, ob er sich selbst angesichts seiner skandalösen Pannenpolitik überhaupt noch ernst nimmt.

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Wenn du die Möglichkeit hättest im regionalen Fußball Änderungen herbeizurufen. Was würde anders laufen?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Nicht viel, aber man müsste die Platzordnerobmänner stärken, um Reibereien unter Zuschauern und unqualifiziertes Geblöke früher zu unterbinden. Gerade auch im Jugendbereich, wo man so manches Mal die pöbelnden »Bundesligaeltern« frühzeitig stoppen müsste. Aber das nimmt niemand richtig ernst, obwohl man in Deutschland ja sonst wegen jeder Kacke Panik und Angst verbreitet. Und wenn dann plötzlich ein Spielabbruch da ist, jammern alle…Außerdem fände ich die Einführung der Zeitstrafe auch bei den Aktiven sehr sinnvoll.


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Wann sehen wir Rot-Weiss Essen wieder im bezahlten Fußball?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

Haha, ich glaube, die Jungs da werden auch in Liga 4 ganz gut bezahlt. Da muss keiner nebenbei arbeiten. Aber ich weiß natürlich, was du meinst. Ein Aufstieg ist nie komplett planbar, denn viele Vereine wollen durch das »Nadelöhr« Richtung Liga 3 und jeder gibt gegen RWE Vollgas. Nach Platz drei und Rang zwei (mit 90 Punkten aus 40 Spielen) in den letzten beiden Spielrunden könnte es 2022 klappen, denn der Kader ist gut aufgestellt und die Rahmenbedingungen stimmen seit einiger Zeit auch, trotz Corona. Aber auch andere Clubs wollen aufsteigen (Preußen Münster zum Beispiel) und in Essen kann schnell megagroße Unruhe entstehen, wenn es mal einige Spiele lang nicht gut läuft. Wetten würde ich auf den Aufstieg nicht, denn dieser Verein ist zu crazy.

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Dein Wunsch für die Zukunft?

Wolfgang »Wolf« Schmitt

RB Leipzig endlich aufgelöst ;-).


pfoschdeschuss - 17.07.21