Leser erzählen ...
Damals ...


In einer kleinen Anekdote gehe ich auf ein Thema ein, dass ein Jedermann sicher schon einmal erlebte beziehungsweise bemerkte. Die körperlichen Diskrepanzen unter »Gleichaltrigen« im Fußballbereich. Damals - der Vokuhila stand in den Kinderschuhen; der Pornobalken war bereits populär, »Corona« brachten wir maximal mit einer neuen Hardrock-Band in Verbindung; die 35-Stunden-Woche; Atomwaffen-nein danke; die RAF und der Opel Kadett waren Themen im Alltag zu Beginn der Achtziger. Von Thrombose-Strümpfen bei adipösen Jugendlichen, die mit Chips und Flips die Konsole beackerten, keine Spur. Die Kinder trafen sich mit dem Rad auf dem Bolzplatz und bewegten sich. Stubenarrest galt damals noch als Strafe und Eltern, die ihre Kinder zum zwei Kilometer entfernten Sportplatz chauffierten, gab’s einfach nicht. Der Parkplatz gehörte dem Gast, denn Clubhäuser waren noch Club»heime«, die in aller Regelmäßigkeit rappelvoll aus den Nähten platzten. Damals hielt es der deutsche Mann noch für ein Ritual, zwischen Feierabend und Abendessen sieben Schnelle im Vereinshaus zu stürzen, während die Schachtel Reval ohne Filter aufgeraucht wurde. So kam es schon einmal vor, dass die daheim wartende Ehefrau voller Zorn und vehement in der Küchenschürze den Stammtisch aufsuchte, um den Gatten den lauwarmen Eintopf auf den Tisch zu knallen, um zum Ausdruck zu bringen, dass die Essenszeit bereits längst übertroffen wurde; die Kinder bereits im Bett lagen.

Wir fuhren damals zu einem Turnier ins elsässische Haguenau. In der heutigen Zeit wäre dieser Wettbewerb von der NaBu unterbunden worden. Durchaus möglich, dass in diesem Morast der Axolotl sein Liebesleben ausführte. An jenem Osterwochenende präsentierte der Stollenschuh, der in der fußballerischen Vergangenheit ausnahmslos in Schwarz gehalten wurde, seine Berechtigung. Unsere Gegner fielen durch körperliche Präsenz auf. Der Eckball mutierte zum Slapstick, denn während wir bereit waren, eine Kiste-Bier hoch zu springen, standen unsere Gegenspieler gelangweilt nebenan und köpften die Dinger im Stand ein oder weg. Ich selber spielte gegen einen dunkelhäutigen Hünen, der damals schon das Gardemaß von 1,85 Metern hatte. Den Kommentar meines damaligen Trainers, »Harri«, hab ich noch heute in den Ohren … »Beiß ihn in den Oberschenkel!« Höher kam ich glaub ich nicht ….

Jahre später kam ich als Jugendtrainer mit meiner C-Jugend zu einem Spiel in die Stadt. Schon beim Warmwachen fiel mir ein südländischer junger Mann auf, der mit lockerem Beinschwung die Bälle aus fünfunddreißig Metern halbhoch und stramm auf seinen Torhüter passte, der einigermaßen Müh hatte, beim Fangen der Bälle seine Bodenhaftung zu halten. Ich fragte den befreundeten Trainer des Gegners, warum denn der angehende Mann dort ein Trikot trägt. Schmunzelnd erwiderte mir Martin, dass das seine neue Waffe sei. Natürlich am 1.Januar geboren, kam jener Drei-Tage-Bartträger vor Kurzem nach Deutschland. Laut Pass darf er noch ein Jahr C-Jugend spielen. Meiner Meinung nach war selbst die A-Jugend gegenüber ihm unterentwickelt. Der »Bub« schoss in den folgenden sechzig Minuten sieben Tore und beteiligte sich nicht unwesentlich an unsere 1:10 Schmach beim damaligen Auswärtsspiel. Lustigerweise lief mir jener Proband Jahre später erneut über den Weg. Mit gerade einmal 25 Jahren musste er aufgrund körperlichen Gebrechlichkeiten seine Karriere beenden.


pfoschdeschuss - 08.04.2020