Die Weltmeisterschaften • 1938
Im Jahre 1938 kam es in unserem Nachbarland Frankreich zur dritten Weltmeisterschaft. Ein Turnier, das von Kriegsangst und Militär geprägt war. Frankreich hatte vernommen, dass im Nachbarland ein gewisser Adolf Hitler mit Aufrüstung und Drohgebärden auf sich aufmerksam machte - als hätte Europa nicht schon genug Sorgen gehabt. In Frankreich grassierten neben einem empfindlichen Nervenkostüm auch eine wirtschaftliche Flaute, und man erhoffte sich durch dieses Freudenfest eine Deeskalierung der Gesamtlage. Argentinien verweigerte die Anreise, weil sich die FIFA auf einem Kongress mit 19:4 Stimmen für Frankreich und gegen Argentinien als Austragungsort entschied. Die »Gauchos« blieben ebenso daheim wie Österreich, das sich kurz vor der Weltmeisterschaft Deutschland anschließen musste und somit auf Anordnung der NSDAP und gegen den Willen von Sepp Herberger mit »Großdeutschland« verschmolz.
Achtzehntausend Kilometer von Paris entfernt startete zwei Monate vor der Weltmeisterschaft ein Schiff. Ausgangspunkt war Tanjung Priok - die Passagiere hatten sich als erste asiatische Mannschaft für eine WM qualifiziert. Das heutige Indonesien, damals als Niederländisch-Indien am Start, war acht Wochen unterwegs, um nach nur einem Spiel (0:6 gegen Ungarn) wieder die Heimreise anzutreten. Eine Anreise, die deutlich länger dauerte als der eigentliche Turnieraufenthalt. Nur 15 Tage Anreise benötigte Kuba, das mit der »USS Orizaba« über den Teich schipperte, während Brasilien nach 1934 zum zweiten Mal Europa ansteuerte. Vierzehn Tage benötigte die »RMS Arlanza«, um die Kicker zur Coupe du Monde zu befördern.
Norwegen (1:2 gegen Italien), Belgien (1:3 gegen Frankreich), die Niederlande (0:3 gegen die Tschechoslowakei), Polen (5:6 gegen Brasilien), Rumänien (1:2 gegen Kuba), Deutschland (2:4 gegen die Schweiz) und, wie schon erwähnt, Niederländisch-Indien (0:6 gegen Ungarn) durften relativ früh die Heimreise antreten. Im Endspiel am 19.Juni 1938 trafen sich das Königreich Italien und Ungarn in Colombes. Italien bezwang zuvor Brasilien mit 2:1, das ohne Topstar Leônidas da Silva antrat, weil man ihn für das Finale schonen wollte - ein Plan, der sich bekanntlich als etwas verfrüht erwies. Ungarn fegte Schweden mit 5:1 vom Parkett. Der amtierende Weltmeister unter der Führung von Vittorio Pozzo setzte sich vor 65.000 Zuschauern mit 4:2 durch und feierte den zweiten Weltmeistertitel. Was man damals noch nicht wusste: Keine Mannschaft sollte den Thron der weltbesten Nationalmannschaft länger besetzen, denn die nächste Weltmeisterschaft fand erst 1950 statt. Sechzehn Jahre Weltmeister – einmalig.
Historisch nicht belegt ist die Geschichte mit den Ausrüstern der diversen Mannschaften. Deutschland soll mit Leibchen der Pfullinger Firma Leuze(la) gespielt haben. Ein Textilunternehmen, das 1922 gegründet wurde und bis heute existiert. Allerdings beschäftigt sich das Unternehmen gegenwärtig mit industrieller Automatisierung - was mit Textilien nun wirklich überhaupt nichts mehr zu tun hat. Wenige Monate nach dem Endspiel begann der zweite Weltkrieg.


pfoschdeschuss
• 16.07.26