Benoît Assou-Ekotto; kamerunischer Franzose, der im nordfranzösischen Arras, in der Region Hauts-de-France, nahe der belgischen Grenze geboren wurde. Hier fließen die Scarpe und der Crinchon zusammen ... in der Stadt, in der rund 42.000 Menschen wohnen. Schon früh erkannte man im kleinen Städtchen, dass dort ein ganz besonders talentiertes Bübchen heranwuchs. Der Racing Club de Lens schickte Späher aus; die wiederum Benoît nach Lens lockten. Mit 19 Jahren gab er sein Profidebüt beim Erstligisten. Seine Markenzeichen waren Robustheit, Fitness und Ehrlichkeit. Vielleicht zu ehrlich, denn während andere von dicken Autos träumten, sammelte der Franzose Comics. »Mit dem ersten Gehalt«, so Assou-Ekotto, »habe ich meiner Familie geholfen und eine große Menge Nutella gekauft!« Mit dem Racing Club gewann der Verteidiger 2005 den UEFA Intertoto Cup und entschied sich anschließend dafür, für das Land seiner Eltern aufzulaufen. Fortan war der Kicker kamerunischer Nationalspieler (25/0).
Nach 66 Spielen (0) wechselte Assou-Ekotto, mit gerade einmal 22 Jahren, in die Premier League zu Tottenham Hotspur. Fünf Millionen Euro ließ sich der Londoner Club seine Dienste kosten (2006). Die Fans schlossen den zuverlässigen Boliden ins Herz. Untypisch für einen Profi träumte er von einem Leben als Backpacker; wirkte entspannt und machte keinerlei Anstalten, irgendwelche Allüren an den Tag zu legen. Er kam mit Flip-Flops zu Interview-Terminen und Trainingseinheiten. Früh gab er zu verstehen, dass Fußball sein Job sei und dass er diesen Sport eigentlich überhaupt nicht möge. »Die Leute denken, wir leben für Fußball. Nein. Es ist Arbeit.« Nicht jeder fand an diesen Aussagen Gefallen. »Muss man seinen Beruf lieben, nur weil man gut darin ist?« Ehrliche Interviews; knallharte Zweikämpfe und Zuverlässigkeit; zeichneten ihn aus. Die Zeitung nannte ihn den philosophischen Backpackers im Körper eines Premier-League-Verteidigers. Während andere Spieler im Hochleistungs-Modus im Kabinengang herumtollten; stand er gechillt in einer Ecke und las noch schnell ein paar Zeilen. Für Tottenham spielte Benoît Assou-Ekotto sieben Jahre, die 155 Partien und vier Treffer in petto hatten. Übrigens die einzigen vier Treffer im Profi-Leben des Afrikaners. Assou-Ekotto verlor seinen Stammplatz und geriet durch seine Ehrlichkeit des Öfteren in die Schlagzeilen. Ein Handgemenge mit Mitspieler Kyle Walker, inmitten eines Ligaspiels, brachte die Erkenntnis, nochmals die Fronten zu wechseln (2013). Die »Hoops« zeigten Interesse, den Defensivmann an die Loftus Road zu locken. Tottenham willigte ein und verlieh den Athlet an die Queens Park Rangers, wo er (fast) alle Spiele machte (31/0).
»Wenn du Maurer bist, träumst du auch nicht jeden Tag von Zement«, gab er einem Reporter zu verstehen, als dieser wissen wollte, wie man Fußballprofi sein könne und nicht fußballbesessen sei. Nachdem Assou-Ekotto mehrere Monate vereinslos gewesen war, reifte die Entscheidung, den Job an den Nagel zu hängen. Doch irgendein Funke Enthusiasmus schien wohl doch noch an Bord zu sein, denn als sich AS Saint-Étienne 2015 meldete, entschied er sich, weiterzumachen. Doch auch hier war nach 20 Spielen der Ofen aus; der Auftrag beendet. Seinen »Fußball-Lebensabend« verbrachte er beim FC Metz; der Heimat sehr nahe (31/0), bevor er 2016 endgültig seine Karriere beendete.
Heute ist Benoît Assou-Ekotto Vater von zwei Kindern; meidet die Öffentlichkeit und lebt wieder in seiner Geburtsstadt Arras. Während andere Ex-Profis noch Jahre nach dem Karriereende jedem Mikrofon hinterherrennen, verschwand Assou-Ekotto einfach von der Bildfläche. »Fast so, als hätte er all den Fußballzirkus schon zu aktiven Zeiten für völlig überbewertet gehalten.«

pfoschdeschuss • 31.05.26