Kreispokal

Der KFV wirft den Pokalsieger raus


»Die eigenen Gesetze gelten …« Wenn ein B-Ligist den amtierenden Kreispokalsieger und Kreisligisten im eigenen Esszimmer mit 4:1 daherzwiebelt, dann ist das entweder die Steigerung einer Sensation oder das Resultat einer gesunden Mischung aus Selbstüberschätzung und Selbsteinschätzung. Wahrscheinlich von allem etwas. Und eben eine KFV-Mannschaft, die natürlich auch in diesem Jahr wieder irgendwie um den Aufstieg mitspielen sollte.

Der Altmeister zerlegte den FC Germania Neureut mit einem ebenso deutlichen wie dubiosen 4:1. »Wahnsinn.« Die Torschützen - allesamt Importe des ehemaligen ASV Wolfartsweier - hießen Bartuccio, Hazem und zweimal Moldovan. Dabei begann für die Germania alles nach Plan. Der ehemalige Liedolsheimer Rudomanow verwandelte bereits nach fünf Minuten einen Foulelfmeter zur Führung. Doch Friseur Hazem stellte nach 23 Minuten - ebenfalls vom Punkt - die Unordnung im Universum wieder her. Nach der Pause brachen dann sämtliche Dämme, Deiche und vermutlich auch das örtliche Baurecht. Moldovan traf in der 61.und 70.Minute, ehe Bartuccio in der Schlussminute den Deckel draufschraubte … 4:1. Irgendwo wird sich ein Kreisligist künftig überlegen, ob Kreispokalspiele gegen B-Ligisten überhaupt noch unter die Genfer Konvention fallen.

Auch das zweite Spiel war von reichlich Wolfartsweierer Vergangenheit geprägt. Die Zweite des ATSV Mutschelbach war einst die Zweite des ASV Wolfartsweier unter Tomislav Babic; der auch gestern auf dem Bogen stand. Der ehemalige Trainer und Torhüter der Ersten, Francesco »Pirlo« Porcu, führte Regie und seine kleinen »Waldenser« verkauften sich gegen den FV Fortuna Kirchfeld ausgesprochen teuer - immerhin ein Team, das vergangene Saison noch Landesliga spielte.

Die favorisierten »Siedler« gingen bereits nach sechs Minuten durch Dursun in Führung. Doch nur fünf Minuten später egalisierte der ehemalige Wolfartsweierer Ismail El Gogo. In Kirchfeld dürften die ersten fragenden Blicke aufgekommen sein. »Moment mal … sollte das hier nicht eine Kaffeefahrt werden?« Offenbar hatte niemand den Gastgeber darüber informiert. Erst tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte brachte Weisbrod die Grün-Weißen wieder in Front.

Als Meinzer nach einer Stunde das 1:3 erzielte, schien die Messe gelesen. Zumindest für alle, die Jermaine Moore noch nie Fußball spielen gesehen haben. Der Evergreen, dessen Akku seit Jahren hartnäckig die 100 Prozent anzeigt, verkürzte nur eine Minute später auf 2:3 und ließ die Gäste kurz an ihrer Tagesplanung zweifeln. Doch nach 73 Minuten war der Widerstand der »Schmierbrenner« schließlich gebrochen. Mattheis stellte auf 2:4 und sorgte dafür, dass Fortuna doch noch mit einer halbwegs intakten Würde nach Hause fahren durfte. Keine Glanzleistung, keine Galavorstellung, kein Stoff für das Vereinsmuseum - aber eben eine Runde weiter. Und Pokalspiele interessieren sich bekanntlich einen feuchten Kehricht für Schönheit.





pfoschdeschuss • 30.07.26





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