Sebastian Staneker & Markus Hänsel (Sportliche Leiter, Karlsruher SC 3)
»Wir sind aber optimistisch das wir weiter Erfolg haben können«
Servus »Stan« Du bist seit 2019 Teil des Projekts KSC II/III. Im kommenden Jahr spielt die Truppe in der Kreisliga. Wie lautet das Ziel?
Sebastian »Stan« Staneker
Nach der letzten Saison mit fast nur Höhen, ist unser Ziel erstmal in der Kreisliga anzukommen und uns zu akklimatisieren. Ziel ist einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Wir wollen immer erstmal in der neuen Liga ankommen und dann schauen was möglich ist
Der KSC hat seine zweite Mannschaft vor Jahren kurzerhand abgemeldet. Heute ist sie wieder da. War die damalige Entscheidung aus deiner Sicht ein Fehler?
Aus heutiger Sicht definitiv ja. Die finanziellen Mittel damals waren einfach nicht mehr gegeben. Aber kurzum: Wenn die Verantwortlichen damals die zweite Mannschaft nicht zurückgezogen hätten, würde es uns heute so nicht geben.
Der Wiedereinstieg erfolgte direkt in der Verbandsliga. Kannst du jeden Amateurverein verstehen, der sagt: »Wir mussten uns jede Liga sportlich erarbeiten - der KSC bekommt sie geschenkt?«
Klar kann ich jeden Verein ein Stück weit verstehen. Wir alle arbeiten ehrenamtlich und versuchen das bestmögliche für unsere Vereine rauszuholen. Man sollte aber das große Ganze sehen. Der KSC ist eine Marke, ein Verein mit Tradition. Eine U23 benötigt eben ein hohes sportliches Niveau damit der Übergang von der Jugend in den Profibereich gelingt.
Der KSC II wurde ohne sportliche Qualifikation direkt in die Verbandsliga eingegliedert. Kannst Du den Ärger der Vereine nachvollziehen, die sich ihren Platz über Jahre erarbeiten mussten?
Sebastian »Stan« Staneker
In den Prozess waren wir nur am Rande eingebunden. Ich würde sagen im Endeffekt war es eine Kompromissentscheidung zwischen den beteiligten Vereinen und dem BFV. Das die Entscheidung nicht bei allen auf große Begeisterung gestoßen ist und auch Menschen darüber verschnupft waren ist mir bewusst und kann ich auch in Teilen nachvollziehen.
Der KSC hat seine zweite Mannschaft vor Jahren von heute auf morgen abgemeldet. Viele hielten das damals für einen Fehler. Wie siehst Du diese Entscheidung heute?
Sebastian »Stan« Staneker
Ja ich würde auch sagen das das eine Fehleinschätzung war und das haben dann ja auch die Verantwortlichen im Verein so analysiert. By the way war das ja zum damaligen Zeitpunkt auch bei anderen Profivereinen so und alle haben das Rad wieder zurückgedreht. Mit der Erfahrung von heute und dem Blick zurück wäre es sicher sinnvoller gewesen damals eine andere Entscheidung zu treffen aber die finanzielle Situation, die Ausrichtung damals der Oberliga-Mannschaft und andere Effekte haben die Verantwortlichen damals veranlasst so zu entscheiden, heute würde das vermutlich so keiner mehr durchziehen.
Ihr selber habt den Sprung in die Kreisliga geschafft. Ist dass das Ende der Fahnenstange oder geht hier noch was?
Wir sind erstmal logischerweise stolz auf das, was wir bisher erreicht haben. Wenn man sieht, wie wir angefangen haben und wo wir heute stehen, bzw. wie wir uns entwickelt haben ist das wirklich herausragend. Alle Spieler, Trainer, Verantwortliche, Orga-Gruppe, Sponsoren und Fans seit 2019 haben dazu beigetragen. Das möchte ich ganz klar betonen.
Wir blicken positiv in die Zukunft. Wenn wir alle weiterhin gemeinsam am Rad drehen, können wir noch einiges erreichen.
Das ganze Ding begann als »Fanprojekt«. Inwieweit wurdet ihr vom KSC unterstützt? Inwieweit wird der neue Kreisligist seine Akteure finanziell unterstützen?
Als wir die zweite Mannschaft 2019 wieder ins Leben gerufen hatten, mit Genehmigung der KSC Verantwortlichen, gab es vom damaligen Sportdirektor Oli Kreuzer klar die Ansage, dass wir uns selber finanzieren müssen. Das gilt bis heute. Unsere Spieler bekommen alle das gleiche, was uns wirklich wichtig ist. Von der Dauerkarte im Stadion über ein paar Kickschuhe und der Siegprämie für die Mannschaftskasse ist alles dabei und die Jungs werden komplett mit KSC Utensilien ausgestattet. Das wird alles von uns übernommen.
Kommen wir zurück zur »Dritten«? Wie finanziert sich das ehemalige Fanprojekt und inwiefern unterstützt der KSC euch?
Sebastian »Stan« Staneker
Wir sind echt stolz darauf das wir bis heute alles in unserem Bereich selber machen. Wir generieren unsere Einnahmen über Sponsoring, Catering, und das eine oder andere Event, was wir mal so machen. Wir haben von Anfang an nach dem Motto gelebt wir kümmern uns selber um unsere Belange und Bedarfe und das ist bis heute so. Vom Catering über Social Media bis hin zum Aufhängen der Werbebanner machen wir alles selber und das ist für uns auch wichtig. Der Verein unterstützt uns natürlich mit der Bereitstellung der Infrastruktur aber auch mit der Möglichkeit Dinge wie die Buchhaltung o.ä. mit nutzen zu können. Wir haben einen engen Austausch mit dem Präsidium und erfahren sehr viel Wertschätzung aus dem KSC-Kosmos. Das Thema Fanprojekt finde ich immer geil, wenn das bei euch so beschrieben wird, weil es in vielen Teilen auch stimmt. Allerdings würde ich sagen wir leben das Motto »meine Heimat« komplett und wir versuchen im Amateurbereich den KSC positiv zu vertreten.
Wie kommt der »Goldstädter« zum KSC?
Sebastian »Stan« Staneker
Ich bin tatsächlich einfach schon relativ früh mit Karlsruhe und dem KSC in Berührung gekommen und bin immer aus voller Überzeugung ins Stadion gegangen und hatte dadurch, wie sicherlich viele, eine sehr enge Bindung zum Verein der bis heute anhält.
Du selber kommst aus dem Pforzheimer Kreis; hast da unter anderem für Bilfingen gespielt. Was hat dich zum KSC verschlagen?
In Bilfingen hab ich von der Jugend bis in den Herrenbereich gespielt und war danach in verschiedenen Funktionen im Verein bis 2012 tätig. Dann war lange Nix und als ich im Pfingsturlaub 2019 gelesen hatte, dass der KSC wieder eine zweite Mannschaft formt, habe ich mich kurzum bei »Stan« gemeldet. Wir hatten bestimmt 8,9 Jahre nur sporadisch Kontakt, waren aber in unserer Jugendzeit viel mit dem KSC unterwegs. Deshalb war es umso schöner mit ihm gemeinsam was aufzubauen und das wir uns öfter sehen :-)
Das hält alles bis heute und mit »Baumi« sind wir wirklich ein geiles Dreiergespann.
Hast du noch Kontakt zu deinem Jugendverein, TuS Bilfingen?
Ja, klar. Mein Schwager Stefan Rapp ist dort seit letztem Jahr Trainer. Wenn es die Zeit zu lässt, schaue ich mir gerne ein paar Spiele an. Es ist schön, alte Weggefährten mal wieder zu sehen.
Zuletzt sagte jemand zu mir: »In Karlsruhe gibt es den KSC - und dann lange nichts.« Ist das Realität oder wird damit den Amateurvereinen der Region Unrecht getan?
Sebastian »Stan« Staneker
Ja ich finde schon das damit den anderen Vereinen ein Stück weit Unrecht getan wird. Klar ist der KSC bestimmt mit Abstand der Verein mit der größten Strahlkraft, aber ich finde es gibt richtig gut geführte Vereine in Karlsruhe und im Umland mit großer Tradition. Für uns ist das auch echt wichtig das die Vereine in der Region bestehen bleiben, weil Fußball in der Jugend und im Herrenbereich so viele positive Effekte auf soziale Gemeinschaften und Entwicklung hat das wir als KSC nur von einer guten und gesunden Konkurrenz profitieren können.
Deine Vita ist sehr interessant. Was trieb dich als Pforzheimer nach Ahlum (Norddeutschland); was trieb dich anschließend 800 Kilometer südlich zum österreichischen FC Grießhübl?
Sebastian »Stan« Staneker
Ja wenn ich das so lese ist es echt bissl wild:-) ich habe meinen Master in Nordeutschland gemacht ubd bin dann meiner heutigen Frau nach Wien gefolgt (eine der geilsten Städte in denen ich gelebt habe). Ich habe immer versucht dort wo ich war den Kontakt zum Amateurfußball zu halten und so bin ich bei den beiden Vereinen gelandet.
In Karlsruhe heißt es oft, es gebe den KSC – und danach lange nichts. Wird der Amateurfußball in der Region manchmal unterschätzt?
Der KSC steht im Mittelpunkt, weil er den Profifußball der Region repräsentiert. Das bedeutet aber nicht, dass der Amateurfußball weniger wichtig ist. Im Gegenteil: Ohne die Arbeit der vielen Amateurvereine gäbe es die Basis für den Leistungssport nicht. Beide Seiten sind Teil derselben Fußballlandschaft.
Kann die Dritte im kommenden Jahr Unterstützung der Zweiten einplanen?
Wem würdest Du gerne welche Frage stellen?
Sebastian »Stan« Staneker
Wenn mir jemand ohne Erklärung sagt..."so ist es! keine Diskussion"...da frage ich grundsätzlich nach warum?
Sebastian »Stan« Staneker würde nie ...
Sebastian »Stan« Staneker
Ich würde nie Dinge über Leute in deren Abwesenheit sagen, die ich den Menschen nicht auch persönlich mitteilen würde
Was würdest du als deinen größten sportlichen Erfolg ansehen? Was hingegen war die schwärzeste Fußballstunde im Leben des Markus H.?
Der größte sportliche Erfolg war definitiv der Aufstieg mit der damaligen zweiten Mannschaft vom KSC in die B-Liga. Im letzten Saisonspiel durften wir damals vor 800 Zuschauern im Grenke-Stadion spielen. Das war schon geil. Aber auch alle anderen Aufstiege mit den KSC Amateuren oder meinem Heimatverein TuS Bilfingen werde ich nie vergessen. • Die schwärzeste war definitiv am 01.06.2015.
Gräfe und Diaz, mehr brauche ich nicht zu erwähnen.
Wem würdest du gerne welche Frage stellen?
An den damaligen Schiedsrichter Gräfe:“Wie konntest du nur sowas pfeifen?“
Dein größter sportlicher Erfolg? Deine größte Enttäuschung im Fußball?
Sebastian »Stan« Staneker
Die drei Aufstiege mit den Amateuren und das Pokalfinale mit den FC Gießhübl im Happel-Stadion in Wien. Zudem mit der Profimannschaft die Aufstiege in die jeweils erste- und zweite Liga. Jeder Abstieg hat immer Spuren hinterlassen, wobei sicher die Relegation gegen den HSV schon sehr hart war, emotional. Die Entwicklung bei FIFA und UEFA sind mir auch zunehmend ein Dorn im Auge
Wie lautet der Fahrplan eurer Dritten für die nahe Zukunft? Bisher ging es ja stetig aufwärts?
Sebastian »Stan« Staneker
Wir wollen alles mitnehmen was wir kriegen können. Wir haben sicher den Vorteil das wir als KSC einen besseren Zugang zu Spielern haben. Das alleine reicht aber nicht eine gute Mannschaft zu formen. Wir suchen immer geile Fußballer aber vor allem auch geile Typen weil nur so kann man Erfolg haben. Heißst... schauen wir mal was kommt. Wir sind aber optimistisch das wir weiter Erfolg haben können.
pfoschdeschuss • 06.08.26