Armin Sadic (25) • 2.Vorstand des SV Bosna Karlsruhe
»Bester Trainer? Schwierig! Der schlechteste wäre einfacher!«
Thorin Oesterle ist 40 Jahre alt und kennt in seiner fußballerischen Laufbahn nur einen Verein. Seit 1991 spielt er für Post/Südstadt Karlsruhe, zunächst in der Jugend und seit 2004 bei den Herren. Mit dem PSK hat er dabei alle Höhen und Tiefen durchlebt - von der Landesliga bis hinunter in die B-Klasse. Ganz ohne Gedanken an einen Vereinswechsel verliefen die vielen Jahre allerdings nicht. Sowohl in der Jugend als auch später bei den Herren gab es hin und wieder Situationen, in denen ein Wechsel durchaus eine Überlegung war - etwa wenn es sportlich nicht wie erhofft lief oder andere Vereine mit finanziellen Argumenten lockten. Entschieden hat sich Oesterle am Ende immer für den PSK. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut. Schließlich hat er hier einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht, viele Freunde gefunden, Aufstiege gefeiert und Abstiege verkraftet. Oder, wie er selbst sagt: »In guten wie in schlechten Zeiten.« Für Oesterle ist der PSK eben eine Herzensangelegenheit.
Servus Thorin. Einmal PSK, immer PSK? Du hast noch nie für einen anderen Verein gespielt. Gab es irgendwann in deiner Laufbahn mal den Gedanken, woanders zu spielen?
Servus Oli, das ist für mich eine Herzensangelegenheit ;-) Aber ja, es gab öfters Gedanken, mal woanders zu spielen. Sowohl in der Jugend als auch im Herrenbereich. Wenn es mal nicht so läuft, wie man sich das vorstellt oder wenn andere Vereine dir finanziell auch den Wechsel schmackhaft machen wollen. Das muss jeder für sich selbst entscheiden - ich bereue nicht, beim PSK geblieben zu sein. Hier habe ich viele Freunde gefunden, meine Kindheit und Jugend verbracht, Aufstiege gefeiert, Abstiege verkraftet - wie sagt man? In guten wie in schlechten Zeiten.
Von der Landesliga in die B-Klasse; bevor es wieder aufwärts ging. Was ist damals passiert? PS war der Dino der damaligen Landesliga.
Da haben wie so oft viele Faktoren eine Rolle gespielt. Der PSK war jahrelang eine Macht im Fußballkreis Karlsruhe. Unterstützt wie viele Vereine von ehemaligen Fußballern, aber auch Fans. Gerade in den höheren Klassen brauchst du gute, reife Spieler. Die Jugendarbeit des PSKs war damals nicht in dem Fokus in dem er heute steht. Das führte dazu, dass man immer wieder Spieler von anderen Vereinen holen musste. Da spricht ja erstmal nichts dagegen - man kann jedoch nicht erwarten, dass diese Spieler umgehend eine emotionale Beziehung zum Verein aufbauen. Herzblut und Vereinstreue gewinnt zwar keine Spiele, aber es hilft in schlechten Zeiten zusammenzustehen, sich gegenseitig zu motivieren, den Karren aus dem Dreck zu ziehen ... bei uns war das nicht der Fall. Dann kam eine Saison, in der wir zwar eine gute Mannschaft hatten, jedoch mit Pech abgestiegen sind - schon vorher fing eine schlechte Stimmung in der Abteilungsführung mit unterschiedlichen Ansichten an. Es kam wie es kommen musste, nicht nur der Abstieg, sondern auch das Zerwürfnis mit vielen Unterstützern und Anhängern.
Der Verein stellte sich neu auf und feierte im letzten Jahr einen Doppel-Aufstieg plus die Instandsetzung einer Dritten? Der »Indianer« erlebt einen einzigartigen Fußball-Boom, während andere Mannschaften aufgeben beziehungsweise fusionieren.
Ja, in der Tat - da muss ich aber auch viel Credits an unsere Jugendabteilung geben. Unabhängig von den Senioren entwickelte sich das was Tolles. Es wurde ein Förderverein gegründet, der sich auch in der Finanzierung unseres Kunstrasenplatzes stark engagiert hat. Der PSK zeigte sich trotz des Abstiegs der Herren mit vielversprechendem, frischem Unterbau aus. Durch den Kunstrasen hatten wir eine unglaubliche Aufwertung unserer Möglichkeiten. Neben dem großen, verkehrstechnischen gut erreichbaren Gelände, waren nun auch die qualitativen Rahmenbedingungen für eine gute Spielerentwicklung möglich. Wir profitierten gerade im Jugendbereich von viel Zulauf, der nun ein solides Fundament unserer jungen Herrenmannschaften bildet.
Wie würdest du den PSK im Jahre 2006 bezeichnen; wie würdest den PSK im Jahre 2026 bezeichnen?
Unterschiedlicher könnte es eigentlich kaum sein - mal abgesehen von der Liga. Die einzige Gemeinsamkeit ist das junge Alter. Wir waren damals schon beim Aufstieg in die Landesliga, parallel mit der Zweiten in die A-Klasse mit einem Altersschnitt von knapp 20 Jahren sehr jung und erfolgreich. Der Fokus lag voll auf Erfolg im Herrenbereich.
Heute ist der Fußball beim PSK nachhaltiger. Die Herrenmannschaft hat keine Vormachtstellung in der Abteilung. Die Bindung zwischen den Mannschaften ist sehr stark, weil viele bereits seit einigen Jahren zusammenspielen. Es ist eher ein fließender Übergang in den Seniorenbereich. Ich finde es fantastisch, dass wir in Zeiten von vielen Spielgemeinschaften alles ohne fremde Hilfe auf die Beine stellen können. Wir haben ausgezeichnete Jugendtrainer, -spieler und auch Erfolg - unsere A-Jugend ist letztes Jahr in die Verbandsliga aufgestiegen. Wir erhoffen uns dadurch natürlich den soliden Unterbau der Aktivität langfristig zu sichern. Auch unsere Damen sind sehr erfolgreich, spielen aktuell in der Verbandsliga und haben seit Jahren top organisierte Teams - auch in der Jugend.
Das Ziel des Vereins in den kommenden fünf Jahren?
Landesliga ;-) Ich würde es extrem feiern, wenn wir wieder dort hinkommen, wo meines Erachtens ein Verein mit diesen Möglichkeiten hingehört. Wahrscheinlich werde ich das zwar nicht mehr aktiv erleben - aber ich trau den Jungen bei uns viel zu! Jetzt geht es erstmal darum, uns an die höhere Klasse zu gewöhnen, uns weiterzuentwickeln und wenn alles passt auch weiter aufzusteigen. Minimalziel sollte schon die Kreisliga sein.
Mit 40 Jahren gehörst du zu den ganz Erfahrenen. Was würdest du als deinen größten Erfolg sehen? Was war die schwärzeste Fußballstunde in deiner Laufbahn?
Mit die größten Erfolge sind im Amateurbereich immer Aufstiege - davon durfte ich auch ein paar miterleben. Wir sind letztes Jahr kurz vor der Ziellinie ins Straucheln gekommen, haben es jedoch noch aus eigener Kraft geschafft - gemeinsam mit der Zweiten, das war schon klasse! Vielleicht weil es noch so aktuell ist, aber für mich zählt da auch die Emotion nach so einer schweren Zeit mit Abstiegen und B-Klasse endlich das Signal: Es geht wieder in die andere Richtung!
Die schwärzeste Zeit waren tatsächlich zwei Achillessehnenrisse in zwei Jahren. Wir waren zu dem Zeitpunkt in der A-Klasse und hatten uns einigermaßen gefestigt, sogar wieder an den oberen Tabellenpositionen angeklopft - dann kam Corona, was natürlich für alle schwer war - wir kamen jedoch aus diesem Loch nicht wieder raus und mussten den Abstieg in die B-Klasse hinnehmen. Mit einer Verletzung aufhören wollte ich trotz der beiden Risse nicht - war die richtige Entscheidung ;-)

Dein bester Trainer? Dein bestes Spiel? Dein bester Mitspieler? Der größte Entertainer und dein unangenehmster Gegenspieler?
Hmmm... der beste Trainer - das ist schwierig. Der schlechteste wäre einfacher. Unser jetziger Trainer Timo macht das schon super. Ich habe lange mit ihm auch zusammengespielt und hatte auch Bedenken, ob er umschalten kann von Spieler auf Trainer - aber das ist ihm klasse gelungen und er hat seinen maßgeblichen Anteil am jetzigen Erfolg. Wenn wir davon ausgehen bei wem ich am meisten gelernt habe, fällt mir Wolfgang Elfner ein, der mich in der Jugend trainiert hat. Vom Feuer, Emotionen, Siegeswillen, Verrücktheit aber auch Fußballverstand her, sag ich Goran Erceg - mit dem Vogel hat es mir auch viel Spaß gemacht. Bestes Spiel ... als Defensiver freut man sich zwar, wenn man auch mal Tore schießt - aber da erinnere ich mich an ein Pokalspiel gegen FV Malsch. Das war ein großer Kampf, wir haben alles gegeben, uns in jeden Zweikampf geworfen und wurden mit einem knappen Sieg belohnt. Beste Mitspieler ... vom Können her auf jeden Fall Dimi Boziaris, was eine Technik ... aber auch Nico Caleta, in seiner Prime ein unfassbarer Spieler. Sein Bruder Mario war auch talentiert, vor allem als Entertainer. Wir sind damals oft weggegangen und machen das auch heute noch - wenn auch weniger. Als Gegenspieler fällt mir Tiago Lopes ein. Ein krass talentierter Stürmer, der in jeder Klasse seine Tore geschossen hat, egal wer da verteidigt.
Wem würdest du gerne welche Frage stellen?
Markus Vivell - wie es sich anfühlt, wenn man gar nichts kann ;-)
... zum FC Südstern gehen!
Wie siehst du den Amateur-Fußball in der Zukunft?
Bedroht würde ich jetzt nicht sagen, es ist nach wie vor eine der schönsten Zeitvertreibe für Fußballer. Jedoch merkt man an so mancher Stelle, dass der Fußball einen anderen Stellenwert hat wie früher. Das sehe ich aber eher als Herausforderung, an die sich der Fußball anzupassen hat, nicht umgekehrt. Ich hoffe, dass sich das auch weiterhin so entwickelt, dass Spieler nach ihrer aktiven Karriere der Abteilung und dem Verein treu bleiben und unterstützen. Ich glaube viele Vereine haben Leute, die seit Jahren mithelfen, aber schon bald »in den Ruhestand« gehen. Dabei stellt man sich die Frage, wer macht denn dann das alles? Nur wenn die ehrenamtliche Organisation im Hintergrund funktioniert, kann dem Amateurfußball die Basis für erfolgreichen Fußball geboten werden.
Wenn du die Möglichkeit hättest irgendetwas im Amateur-Fußball zu verändern. Wo würdest du Hand anlegen?
Die »Spesen« begrenzen (-; Ich finde es manchmal echt lächerlich, wieviel Vereine für Spieler zahlen, die gar keinen wirtschaftlichen Gegenwert liefern können. Investiert Einnahmen lieber für die Anlage, Ausstattung, hier und da ein Fest und solide Spielerentwicklung.
pfoschdeschuss • 07.11.26