Armin Sadic (25) • 2.Vorstand des SV Bosna Karlsruhe
»Die Zukunft gehört den Jungen«
Armin Sadic ist 25 Jahre alt und gehört zu den Mitgründern des SV Bosna Karlsruhe. Im Verein bekleidet er das Amt des 2. Vorstands und ist dabei für die Bereiche Strategie und Marketing verantwortlich. Seine fußballerische Laufbahn begann Sadic in der Jugend bei der DJK Durlach, anschließend spielte er für die SpVgg Durlach-Aue. Dort war er später auch im Herrenbereich für die zweite Mannschaft aktiv. Mit der Gründung des SV Bosna Karlsruhe übernahm Sadic erstmals Verantwortung abseits des Spielfelds.
Servus Armin. Der SV Bosna Karlsruhe hat soeben die zweite Saison der Vereinsgeschichte angetreten inzwischen habt ihr sogar ne zweite Mannschaft gemeinsam mit Mühlburg ins Leben gerufen. Das Ziel lautet wohl - Aufstieg in die B-Klasse?
Servus! Die Marschroute ist klar und dürfte mittlerweile jedem bekannt sein: Der Aufstieg in die B-Klasse ist in dieser Saison unser klares Ziel und sollte auch Pflicht sein. Mit sechs Siegen aus sieben Spielen sind wir auf einem guten Weg, und die Entwicklung geht definitiv in die richtige Richtung. Das ist auf jeden Fall ein positiver Start, auf dem wir jetzt weiter aufbauen wollen.
Wie kam die Idee zustande, einen bosnischen Verein zu gründen und wie habt ihr anschließend die Idee umgesetzt?
Die Idee, einen bosnischen Verein zu gründen, reicht tatsächlich bis in die 90er-Jahre zurück, als unsere Väter als Kriegsflüchtlinge nach Deutschland kamen. Schon damals bestand der Wunsch, einen eigenen Verein ins Leben zu rufen. Allerdings wissen wir alle, wie kompliziert die deutsche Bürokratie sein kann. Gerade damals waren auch die Sprachbarrieren eine große Hürde, weshalb diese Idee über Jahrzehnte hinweg nicht verwirklicht werden konnte. Anfang 2025 wurde das Thema dann von einer kleinen Gruppe aus fünf bis sechs Personen erneut aufgegriffen und erstmals richtig konkretisiert. Bereits im Februar 2025 haben wir eine Gründungsversammlung mit rund 25 Personen einberufen. Dort haben wir unsere Vision vorgestellt und deutlich gemacht, für welche Werte wir als Verein stehen möchten. Dabei haben wir von Anfang an versucht, alles bis ins Detail zu planen - vom sportlichen Konzept über das Marketing bis hin zum gesamten Vereinsleben. Anschließend ging es an die eigentliche Umsetzung. Von den Behördengängen und dem Notartermin bis hin zur Suche nach einem geeigneten Sportplatz mussten wir einige Hürden überwinden. Dazu kam ein enormer Zeitdruck, denn wir hatten bereits das durchaus gewagte Versprechen abgegeben, im August 2025 am offiziellen Spielbetrieb teilzunehmen. Rückblickend war das sicherlich ein ambitioniertes Vorhaben, aber wir haben es gemeinsam tatsächlich geschafft. Darauf können wir als noch junger Verein auf jeden Fall stolz sein.
Spielen beim SVB ausschließlich Bosnier oder dürften auch Spieler anderer Nationalitäten bei euch anfangen?
Nein, ganz im Gegenteil! Unsere Philosophie war von Anfang an klar: Bei uns ist jeder willkommen, unabhängig von seiner Herkunft oder Nationalität. Natürlich hat ein Großteil unserer Spieler bosnische Wurzeln, was bei unserer Vereinsgeschichte auch naheliegend ist. Allerdings haben wir mittlerweile auch deutsche, italienische, eritreische und Spieler mit vielen weiteren Nationalitäten in unseren Reihen.
Und genau das ist uns auch besonders wichtig. Wir möchten zwar unsere bosnischen Wurzeln und unsere Kultur pflegen, gleichzeitig aber ein Verein sein, der Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt. Am Ende zählt für uns nicht, woher jemand kommt, sondern dass man gemeinsam auf und neben dem Platz an einem Strang zieht.
Du sagtest, dass der Verein von vielen jungen Menschen geführt wird. Was macht den SV Bosna aus? Was unterscheidet euch von anderen Vereinen?
Das ist richtig. Unsere Vereinsführung hat einen Altersdurchschnitt von gerade einmal 25 Jahren, und ich denke, genau das macht uns auch ein Stück weit besonders. Wenn man sich in der Karlsruher Fußballlandschaft umschaut, trifft man meiner Meinung nach bei vielen Vereinen noch auf teilweise veraltete Strukturen. Sei es in der Vereinsführung, im Marketing oder auch bei gewissen Denkweisen und Vorstellungen davon, wie ein Verein heutzutage funktionieren sollte. Ich denke, dass wir in unserer noch jungen Vereinsgeschichte bereits etwas frischen Wind in den Karlsruher Fußballkreis gebracht haben. Wir versuchen, neue Wege zu gehen, Dinge anders zu denken und Ideen auch tatsächlich umzusetzen. Umso schöner ist es zu sehen, dass manche dieser Ansätze mittlerweile auch bei anderen Vereinen aufgegriffen werden. Im Bosnischen gibt es ein Sprichwort, das sinngemäß lautet: »Die Zukunft gehört den Jungen.« Und ich finde, genau das beschreibt unseren Verein ziemlich gut. Wir sind jung, dynamisch, innovativ und modern. Natürlich machen auch wir Fehler und lernen täglich dazu, aber wir haben den Mut, neue Dinge auszuprobieren und den Fußball auch abseits des Platzes ein Stück weit anders zu gestalten. Und genau das wollen wir auch in Zukunft beibehalten.
Beim SV SW Mühlburg habt ihr eine sportliche Heimat gefunden. Wie läuft die Zusammenarbeit? Ist ein eigenes Sportgelände in der Zukunft ein Ziel?
Eines muss ich vorab unbedingt erwähnen: Wir sind dem SV SW Mühlburg unglaublich dankbar. Gerade in der Gründungsphase unseres Vereins war die Suche nach einer sportlichen Heimat eine der größten Herausforderungen. Wir hatten damals mit vier bis fünf Vereinen Gespräche geführt, bei denen wir teilweise mit Vorstellungen und Forderungen konfrontiert wurden, die für uns schlichtweg nicht nachvollziehbar waren. Der SV SW Mühlburg war letztendlich der einzige Verein, der uns von Anfang an auf Augenhöhe begegnet ist und auch wirklich Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit hatte. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich und wissen wir sehr zu schätzen. Ich denke, dass in Mühlburg gerade eine große Fußballfamilie zusammenwächst. Wie du bereits erwähnt hast, sind wir in dieser Saison mit gebündelten Kräften und einer gemeinsamen Spielgemeinschaft an den Start gegangen. Diese Zusammenarbeit möchten wir in Zukunft weiter ausbauen, insbesondere auch im Jugendbereich. Denn langfristig wollen wir nicht nur im Herrenbereich erfolgreich sein, sondern gemeinsam etwas Nachhaltiges aufbauen. Natürlich ist ein eigenes Sportgelände irgendwo ein Traum, den wahrscheinlich jeder junge Verein hat. Allerdings fühlen wir uns aktuell in Mühlburg unglaublich wohl und hoffen, dass das auch in den kommenden Jahren so bleibt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam mit dem SV SW Mühlburg noch einiges bewegen können. Beide Vereine bringen ihre eigenen Stärken, Ideen und Menschen mit, und wenn man diese Kräfte richtig bündelt, kann in Mühlburg in den nächsten Jahren wirklich etwas Großes entstehen.
Du selber hast eine Vergangenheit bei der SpVgg Durlach-Aue. Was hat dich damals dazu bewegt, deine Karriere für ein Engagement als 2.Vorstand eines neuen Vereins zu tauschen?
Da gab es tatsächlich mehrere Gründe. Ich denke, der wichtigste war, dass meine Kollegen und ich, die ebenfalls ihre bisherigen Vereine verlassen haben, eine gewisse Verantwortung gegenüber der bosnischen Community in Karlsruhe verspürt haben. Wir wollten etwas zurückgeben, und zwar den Menschen, die vor uns hier waren und den Grundstein für unser heutiges Leben gelegt haben. Unsere Eltern und Großeltern leben mittlerweile seit Jahrzehnten in Deutschland. Sie haben sich hier integriert, hart gearbeitet und sich in Karlsruhe einen neuen Lebensmittelpunkt aufgebaut. Trotzdem haben viele von ihnen ihre ursprüngliche Heimat nie vergessen. Wir selbst fühlen uns Bosnien natürlich sehr verbunden, aber am Ende des Tages sind wir deutsch-bosnische Jungs. Wir sind hier geboren, hier aufgewachsen und Karlsruhe ist unsere Heimat. Wir tragen gewissermaßen zwei Heimaten in uns, und genau diese beiden Welten wollten wir mit unserem Verein miteinander verbinden. Für mich persönlich ist das auch eine Frage des Respekts gegenüber der Generation vor uns. Unsere Eltern und Großeltern mussten in den 90er-Jahren ihre Heimat verlassen und sich hier ein komplett neues Leben aufbauen. Sie haben viel auf sich genommen, damit wir heute die Möglichkeiten haben, die für uns mittlerweile selbstverständlich sind. Und wenn wir es schaffen, dass diese Menschen sonntags zu unseren Heimspielen kommen, alte Bekannte treffen, ihre Sprache sprechen und für ein paar Stunden das Gefühl haben, wieder ein Stück ihrer alten Heimat zu erleben, dann haben wir schon unglaublich viel erreicht. Vielleicht können sie in diesen Momenten die schweren Zeiten der 90er-Jahre ein wenig vergessen und die Nähe zu ihrer Heimat spüren, obwohl diese Tausende Kilometer entfernt liegt. Genau das war für mich letztendlich ausschlaggebend. Natürlich habe ich die Zeit bei der SpVgg Durlach-Aue geschätzt, aber hier ging es um etwas, das für mich weit über den Fußball hinausgeht. Unsere Eltern und Großeltern haben uns hier eine Zukunft ermöglicht. Jetzt liegt es an unserer Generation, ihnen ein Stück ihrer Vergangenheit und ihrer Heimat zurückzugeben. Und wenn ich dazu mit meinem Engagement beim SV Bosna Karlsruhe einen kleinen Beitrag leisten kann, dann ist das für mich persönlich mehr wert als jede sportliche Karriere.

Wo siehst du eure Truppe, euren Verein, in fünf Jahren?
Sportlich hoffentlich in deutlich höheren Spielklassen! Ich denke, dass unsere Mannschaft definitiv die Qualität und das Potenzial hat, sich in den kommenden Jahren stetig weiterzuentwickeln und auch einige Ligen höher eine gute Rolle zu spielen. Natürlich muss man sich das alles Schritt für Schritt erarbeiten, aber an Ehrgeiz und Ambitionen mangelt es uns sicherlich nicht. Allerdings geht unsere Vision weit über den sportlichen Erfolg hinaus. Wir haben den Verein von Anfang an mit dem Gedanken gegründet, etwas Langfristiges und Nachhaltiges aufzubauen. Wir wollen wachsen, neue Strukturen schaffen und uns in möglichst vielen Bereichen weiterentwickeln. Dazu gehören insbesondere der Aufbau eigener Jugendmannschaften, Fußballschulen und weitere Projekte, mit denen wir vor allem Kindern und Jugendlichen etwas bieten möchten. Unser Ziel ist es, dass der SV Bosna Karlsruhe in fünf Jahren eine feste Größe im Karlsruher Fußballkreis ist. Ein Verein, der sportlich ernst genommen wird, organisatorisch gut aufgestellt ist und gesellschaftlich einen Mehrwert bietet. Wir möchten uns langfristig genauso etablieren wie die alteingesessenen Vereine, die teilweise schon seit Jahrzehnten die Karlsruher Fußballlandschaft prägen. Dabei wollen wir aber unsere eigene Identität, unsere Werte und unsere moderne Herangehensweise beibehalten.
Spannende Frage.. aber ich antworte mal mit: Den SV Bosna nie verlassen.
Wem würdest du gerne welche Frage stellen?
Ich würde gerne unsere Zuschauer fragen, ob sie sonntags eigentlich wegen des Fußballs kommen oder weil sie wissen, dass bei uns immer irgendwo ein Grill läuft (-;
Ihr seid aktuell das jüngste Karlsruher Fussballkind während andere Vereine die Schotten dicht machen müssen. Worin liegt die Schwierigkeit einen Verein ohne den ganz großen finanziellen Aufwand am Leben zu halten?
Wenn wir den finanziellen Aspekt einmal ausklammern, liegt die größte Herausforderung meiner Meinung nach ganz klar beim Thema Ehrenamt und Manpower. Heutzutage wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und ihre Freizeit für einen Verein zu investieren. Viele vergessen dabei, dass ein Verein nicht von alleine funktioniert. Hinter jedem Spieltag, jedem Training und jeder Veranstaltung stehen Menschen, die teilweise täglich viel Zeit und Energie investieren. Ich denke, dass das Engagement und das Verantwortungsbewusstsein in vielen Vereinen wieder deutlich stärker werden müssen. Es kann nicht sein, dass die gesamte Arbeit immer an denselben wenigen Personen hängen bleibt. Denn am Ende lebt ein Verein nicht nur vom Geld, sondern vor allem von den Menschen, die bereit sind, etwas dafür zu tun.
Dein Wunsch für die Zukunft?
An erster Stelle steht natürlich die Gesundheit, denn die ist und bleibt das Wichtigste. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass wir unseren sportlichen Weg weiterhin erfolgreich gestalten und als Verein nachhaltig wachsen. Dass wir unsere Ziele erreichen, ohne dabei unsere Werte und unsere Identität aus den Augen zu verlieren.
pfoschdeschuss • 20.10.26