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Dirk Naumann (32, SpVgg Durlach-Aue)
»Am Ende des Tages entscheidet aber Patric, wer von uns seiner Einschätzung nach dem Team am meisten helfen kann«


»Wolf«

Hallo Dirk, 2020 bist du zum FC Olympia Kirrlach gegangen, nun seit einigen Wochen wieder in Durlach-Aue. Wie kam es zu diesem Rückwechsel?


Dirk Naumann

Da muss ich etwas ausholen :). Gegen Ende der letzten Saison reifte in mir der Gedanke, das Fußballspielen stark zu reduzieren. Aufgrund meiner Schichtarbeit musste ich jede Saison meinen halben Jahresurlaub für den Fußball opfern. Für Urlaub im Sommer war selten Zeit übrig. Da ich aus Sachsen komme, wohnt auch der Großteil meiner Freunde / Familie noch dort. Durch den Fußball war ich seit 10 Jahren auf fast keinem Geburtstag, keiner Hochzeit etc. mehr. Meine Prioritäten haben sich nun mehr und mehr in Richtung Familie und Freunde verschoben. Außerdem habe ich gespürt, dass es immer kräftezehrender wird, neben meinem Schichtdienst, inklusive Nachtschichten auf Verbandsliganiveau, mit allem was dazu gehört, zu spielen. Eigentlich dachte ich daran, in der A-Klasse mit ein paar Kumpels zu kicken. Als Patric Gondorf mich anrief, um sich nach meinen Plänen zu erkundigen, habe ich ihm meine Situation erklärt. Nach ein paar Telefonaten habe ich festgestellt, dass ich Lust auf den Neuaufbau bei Durlach-Aue habe. Patric hat mir die Freiheiten eingeräumt, die ich wollte, sodass ich nicht zu jedem Training und jedem Spiel da sein muss. Zudem verbringe ich durch die kürzere Anfahrt zum Verein etwa vier Stunden pro Woche weniger im Auto. So kam es zu meinem Rückwechsel.

»Wolf«

Du bist jetzt 32 Jahre alt, im Herbst 2021 Vater eines Jungen geworden. Rückt da der Fußball (neben der Arbeit) mehr in den Hintergrund?


Dirk Naumann

Meine Familie ist der Hauptgrund, weshalb bei mir der Fußball an Priorität verloren hat. Es gab Wochen, da habe ich durch Schichtdienst und Fußball meinen Sohn nur dreimal gesehen. Meine Frau hatte immer Verständnis für den Fußball, musste aber auch immer zurückstecken. Das alles entspricht nicht meiner Vorstellung von Familie. Und da ich die Arbeit nicht kürzen kann, mussten beim Fußball Veränderungen her. Jetzt freue ich mich über die neugewonnene Zeit mit den beiden.


»Wolf«

Bei den bisherigen Testspielen und im Pokal standen der junge Jason Jäger und Julius Höpfner im Tor von Aue I. Wann sieht man dich erstmals in Aktion und wie bewertest du die Konkurrenzsituation zu den beiden anderen Schnappern?


Dirk Naumann

So richtig kann ich das noch nicht sagen. Bisher war ich noch nicht so oft im Training, was sich aber bald ändert. Deshalb kann ich auch nicht wirklich was zur Konkurrenzsituation sagen. Mein Anspruch ist es natürlich, wenn ich da bin, auch Spielzeit zu bekommen. Am Ende des Tages entscheidet aber Patric, wer von uns seiner Einschätzung nach dem Team am meisten helfen kann.

»Wolf«

Die Spielvereinigung steht nach dem ruhmlosen Abstieg aus der Verbandsliga vor einem Neuaufbau unter Trainer Patric Gondorf, der die Mannschaft bereits zwischen 2016 und 2019 erfolgreich trainierte. Wie schätzt du die Leistungsstärke der Truppe und die tabellarischen Perspektiven ein?


Dirk Naumann

Beides lässt sich nur sehr schwer beantworten. Mein erster Eindruck ist, dass wir viel Qualität in der Mannschaft haben. Das Problem nach so einem Umbruch ist allerdings, dass sich alle erst einmal finden und kennenlernen müssen. Wenn das funktioniert, werden wir uns im Laufe der Saison immer besser einspielen und eine vernünftige Rolle spielen. Davon bin ich überzeugt. Ich möchte mich aber nicht auf einen Tabellenplatz festlegen. Nach den letzten Jahren muss es das Ziel sein, eine funktionierende Mannschaft zu bilden. Auf dem Platz, aber auch mal im Clubhaus. Dann bekommen wir eine solide Saison und eine Basis, auf der die nächsten Jahre aufgebaut werden kann.

»Wolf«

Du warst früher auch beim PSK und in Beiertheim als Keeper in der Landesliga und der Kreisliga aktiv. Wie fallen deine Erinnerungen an beide Vereine aus und wie bewertest du deren sportliche Entwicklung der letzten Jahre?


Dirk Naumann

Beim PSK habe ich nur anderthalb Jahre gespielt. Leider verbunden mit viel Chaos. Die Zeit beim SVK Beiertheim war geil. Auch wenn es mit dem Abstieg aus der Kreisliga sicherlich nicht meine sportlich glorreichste Zeit war, habe ich dort Freunde fürs Leben gefunden. Und solche legendären Abende nach dem Training oder Spiel, wie dort bei Kosta, habe ich danach nie wieder erlebt. A-Klasse ist meiner Meinung nach leider viel zu niedrig für diesen Verein mit der Jugend und dieser Anlage. Ich drücke die Daumen, dass man den SVK bald wieder etwas höherklassiger findet.

»Wolf«

Du stammst ursprünglich aus Chemnitz in Sachsen. Wo warst du dort aktiv?


Dirk Naumann

Hauptsächlich war ich bei der SG Handwerk Rabenstein aktiv. Der Verein hat sich in Sachsen gerade in der 6. Liga etabliert und ist damit der zweitbeste Verein in Chemnitz. Das alles schafft man dort mit einer hervorragenden Jugendarbeit und (für einige unvorstellbar), ohne einem einzigen Spieler auch nur einen einzigen Cent Gehalt zu zahlen. Die Spieler kommen, weil der Verein sehr familiär ist und hervorragende Bedingungen bietet. Nicht wegen des Geldes.

»Wolf«

Dein jüngerer Bruder Andreas ist auch Torwart, spielte mit dem FC Eilenburg einige Jahre in der Regionalliga, agiert nun in der Oberliga. Wer ist der bessere Goalie von euch?


Dirk Naumann

Natürlich mein Bruder. Er hat eine ganz andere Ausbildung genossen, die komplette Jugend des Chemnitzer FC durchlaufen, während ich mir quasi fast alles selbst beibringen musste. Außerdem hat er durch seine Zeit in der Regionalliga wahrscheinlich hundertmal so oft trainiert, wie ich. Ich gönne ihm jeden Erfolg, habe immer mitgefiebert. Leider hatte er immer wieder Pech in seiner Karriere, sonst wäre deutlich mehr drin gewesen.

»Wolf«

... mein sportliches Vorbild ist...


Dirk Naumann

Oliver Kahn. Sein Ehrgeiz, sein Selbstbewusstsein, seine Motivation während seiner aktiven Zeit sind einfach unnachahmlich. Was das Torwartspiel heute betrifft, schaue ich mir viel von Marc-Andre ter Stegen ab.

»Wolf«

... meine fußballerisch größte Stärke....


Dirk Naumann

Eins vs eins Situationen gegen den Stürmer.

»Wolf«

...verbessern kann ich....


Dirk Naumann

Einiges, sonst würde ich ja Champions League spielen :)

»Wolf«

...regelmäßiges Torwarttraining wird...


Dirk Naumann

Leider immer noch unheimlich unterschätzt. Viele Trainer haben noch nicht verstanden, dass Torhüter quasi eine eigene Sportart betreiben. Eckle, Dehnen, Sprints, Passformen, Torschuss……da hätte der Keeper auch zu Hause bleiben können, weil er kaum etwas für sein Spiel trainiert hat.

»Wolf«

...mein stärkster Mitspieler….


Dirk Naumann

Davon gab es einige, sodass ich mich nicht auf einen einzelnen festlegen möchte. Die geilste Stimmung auf dem Platz habe ich auf jeden Fall mit Benny Hedrich und Fabi Hardt erlebt. Selten zwei Spieler erlebt, die so einen Spirit auf dem Platz verbreitet haben, wie dieses teuflische Sechser-Duo :)

»Wolf«

...an Durlach-Aue gefällt mir ….


Dirk Naumann

Die Entwicklung. Mit dem neuen Kunstrasen, neuen Kabinen, einem neuen Clubhaus. Man hat das Gefühl, es wird sinnvoll investiert, um nachhaltig erfolgreichen Fußball zu bieten.

»Wolf«

Dirk, vielen Dank für dieses interessante Interview und viel Erfolg in der Saison 2022/23!



»Wolf« - 29.07.22 - Foto - Manfred Sawilla