Christoph Hornberger (33)
»Teamspirit ist ein ganz entscheidender Schlüssel zum Erfolg«



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Servus Christoph. Sollte der Fußball bis zum Saisonende ausgesetzt werden und der Verband zieht die aktuelle Tabelle zu Rat, dann stünde Bruchhausen als Vierter im A-Klassen-Bereich der kommenden Saison … ?

Christoph Hornberger

Servus Oli! Mit einem vierten Platz hätten wir die Vorjahresplatzierung wiederholt. Wir haben in der Wintervorbereitung sehr hart daran gearbeitet, um bestenfalls nochmals ganz oben anzuklopfen und da zu sein, wenn die Mannschaften vor uns patzen. Sollte der Verband sich für die von dir skizzierte Variante entscheiden, müssten wir jedoch wohl oder übel damit leben. Damit beschäftige ich mich jedoch erst, wenn es tatsächlich so kommt.

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War die Entscheidung, den Fußball komplett auszusetzen, aus deiner Sicht die richtige?

Christoph Hornberger

Ich glaube mit jedem Tag, der vergeht, können wir die Zusammenhänge besser einordnen. Im Kern geht es aktuell ja darum die Geschwindigkeit der Virus-Infektionen zu reduzieren, um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten, so dass allen Betroffenen geholfen werden kann. Da wir durch das Aussetzen unseres geliebten Sports dazu beitragen, ist die Entscheidung absolut richtig, auch wenn uns das als ehrgeizigen Sportlern natürlich schwerfällt.

 
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Zwei deiner Ex-Vereine gibt’s in dieser Form nicht mehr (Rotensol, Pfaffenrot). Hat dich die Fusion der Pfaffenroter gewundert oder war sie absehbar?

Christoph Hornberger

Zunächst einmal finde ich es sehr schade, dass die beiden Vereine nicht mehr eigenständig agieren konnten, sondern jeweils eine Spielgemeinschaft formen mussten.

Beide Vereine waren in ihrer vormaligen Form einzigartig. Der Charme der Rotensoler Kabine war unvergleichlich und ist mir immer noch gut im Gedächtnis, obwohl ich mich letztmals vor über 10 Jahren bei einem Sportfestspiel darin umgezogen habe. Fast vollständig aus Holz gebaut und im ersten Obergeschoss gelegen hatte sie ein tolles, ganz eigenes Flair. Darüber hinaus wurde damals in Rotensol (gemeinsam mit den Nachbarvereinen) eine super Jugendarbeit geleistet.

In Pfaffenrot war der Zuschauerandrang stets sehr hoch. Vor gerade einmal 8 Jahren hatten wir dort eine tolle Truppe beisammen und haben bis kurz vor Schluss am Aufstieg in die Landesliga geschnuppert. Da war richtig Euphorie im ganzen Verein. Von daher hat es mich tatsächlich überrascht, wie schnell das nun letztlich ging.


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Was würdest du als deinen bisher größten Erfolg ansehen? Welchen Tag würdest du hingegen gerne löschen?

Christoph Hornberger

Ich bin so frei und beziehe deine Frage jetzt mal ausschließlich auf den Sport. Da sind natürlich Aufstiege das Maß aller Dinge. Das bleibt haften.

Der erstmalige Aufstieg des SV Spielberg in die Oberliga war ein absolutes Highlight. Wir hatten zu dieser Zeit einen Spirit in der Mannschaft, der sensationell war. Noch heute freuen wir Spieler von damals uns wie kleine Buben, wenn wir uns begegnen. Wie heute weiß ich noch, wie Berti Haas (Spielausschuss) nach einer schwachen Sommervorbereitung zwei Tage vor unserem ersten Saisonspiel in Viernheim zitternd in der Kabine stand und sagte: »Männer, wir steigen ab. Wenn wir uns so präsentieren wie in der Vorbereitung - dann steigen wir ab!« Wir haben in Viernheim unverdient 1:0 gewonnen. Ab da hat uns unser Teamspirit durch die ganze Saison getragen und am Ende sind wir nicht abgestiegen, sondern standen auf Platz eins. Es war unglaublich, weil absolut niemand damit gerechnet hatte. Das ganze Dorf stand Kopf.

Der Aufstieg mit dem SC Wettersbach in die Landesliga vor drei Jahren war ebenfalls großartig. Auch hier hatten wir eine sensationelle Truppe, in der es jeder dem anderen gegönnt hat, wenn er gespielt hat. Mit 77 Punkte in 30 Spielen aufzusteigen – das war schon phänomenal. Und auch hier hat sich gezeigt: Teamspirit ist ein ganz entscheidender Schlüssel zum Erfolg.

Löschen würde ich gerne die letzte Aktion in der Nachspielzeit des Relegationsspiels Karlsruher SC – Hamburger SV vor knapp fünf Jahren. Das war ein Stich ins Herz von jedem, der es mit dem KSC hält.


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In Bruchhausen bekleidest du jetzt die Rolle des Trainers. Hast du dir das Traineramt zu Zeiten Wettersbachs anders vorgestellt?

Christoph Hornberger

Allerdings. Ich habe bereits zu Wettersbacher Zeiten den Trainerschein gemacht und nicht zuletzt ab diesem Zeitpunkt auch manche Punkte ganz besonders interessiert beobachtet. Als Spieler beschäftigt man sich viel, viel weniger mit einzelnen Dingen. Die Vorbereitung eines Trainings, eines Spiels und all der Dinge, die im Hintergrund zu tun sind, erlebe ich als viel umfangreicher, als ich es zu Zeiten als Spieler eingeschätzt hätte.


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Wem würdest du gerne welche Frage stellen?

Christoph Hornberger

Den Wählern, die in der jüngsten Vergangenheit ihr Kreuzchen bei einer Partie gemacht haben, die meines Erachtens häufig populistisch, menschenverachtend und rassistisch auftritt:
»Habt ihr in Geschichte nicht aufgepasst, wie Anfang der 1930er alles begann und nichts aus unserer Vergangenheit gelernt?«

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Christoph H würde nie …

Christoph Hornberger

... Familie und Freunde im Stich lassen.

 

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Wie siehst du den Vereinsfußball in der Zukunft?

Christoph Hornberger

Deine obige Frage zu den Fusionen in Rotensol und Pfaffenrot spiegelt die Herausforderung des Vereinsfußballs ja sehr gut wider. Was die beiden Vereine eint, ist, dass sie eine schwierige geographische Lage haben, da sie eher ländlich gelegen sind. Das kollidiert mit dem Trend der Menschen (aufgrund von Studium, Arbeit etc.) in die Städte und deren Ballungszentren zu ziehen. Das heißt: gerade die sehr ländlichen Vereine werden es vermutlich in den kommenden Jahren immer schwieriger haben Mannschaften zu stellen.
Darüber hinaus hält der Trend zum Individualsport (Fitnessstudio) an, was dazu führt, dass viele Vereine bereits in der A-Jugend zu kämpfen haben. War man als Jugendlicher früher entweder im Musikverein oder im Fußballverein aktiv, tun sich heutzutage sehr viel mehr Alternativen in der Freizeitgestaltung auf. Nicht zuletzt verliert »soziales Engagement« in der Gesellschaft leider immer mehr an Bedeutung. In der Folge haben die Vereine dadurch die Herausforderung Personen zu finden, die unentgeltlich wichtige Aufgaben in Vereinen übernehmen. Zusammengefasst: rosig ist anders.

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Wenn du die Möglichkeit hättest im Fußball etwas zu ändern?

Christoph Hornberger

1)    Handspiel-Regel vereinfachen:
Ich würde die Regel dem Handball angleichen, wo »Fuß« einfach »Fuß« ist. Da wird nicht über Absicht, Vergrößerung der Körperfläche, etc. diskutiert und jeder weiß genau, woran er ist.

2)    Videobeweis abschaffen:
Ich finde es gehen durch den Videobeweis zu viele Emotionen verloren, die das Spiel ausmachen. Das häufig angebrachte Argument, dass der Fußball dadurch gerechter wird (was ich nicht immer so empfinde), wiegt für mich bei weitem nicht die Emotionen auf, die es ohne Videobeweis gab/gibt.

3)    Amateurfußball vom Profifußball trennen:
Ich würde den Profifußball vom Amateurfußball trennen und die Amateurfußballsaison dann von April bis Oktober laufen lassen.

Vorteile:

-    Die Vereine würden Geld für die Platzpflege und das Flutlicht einsparen. Man nutzt die Zeit effizient, wo die Plätze pflegeleicht und top in Schuss sind.
-    Spieler kommen lieber ins Training.
-    Mehr Zuschauer, da besseres Wetter (und gegenenfalls in manchen Monaten kein Profifußball parallel).

Nachteil:
-    Die Aufstiegsfrage in den Profifußball wäre zu klären. 
Wobei es ja heute bisweilen schon so ist, dass sportliche Aufsteiger ihr Aufstiegsrecht, mit Blick auf die Kosten in der höheren Liga, nicht wahrnehmen möchten. Da würde man bestimmt eine Lösung finden, wenn man es möchte.

4)    Reserverunde einführen:
Ich würde die Reserverunde wieder einführen, so dass zweite Mannschaften immer das Vorspiel vor den jeweiligen ersten Mannschaften bestreiten. Für ein intaktes Vereinsleben ist das aus meiner Sicht die deutlich bessere Lösung, als wenn ein Team in Spöck und das andere in Neuburgweier spielt. Die genannte Konstellation ist übrigens nicht aus der Luft gegriffen. Wir hätten sie am drittletzten Spieltag.

5)    Sonntag dem Amateurfußball:
Allem TV-Geld zum Trotz (von dem die kleinen Vereine ohnehin nicht profitieren) würde ich den Sonntag wieder ausschließlich dem Amateurfußball widmen. Dem Profifußball blieben dann immer noch Freitagabend und der Samstag. Das wäre für mich eine Maßnahme, die tatsächlich der Basis zu Gute käme und durch verstärktes Zuschauervorkommen das Vereinsleben wieder beflügeln würde.

pfoschdeschuss

Welchen sportlichen wie privaten Traum lebst du?
 
Christoph Hornberger

Sportlich: Wer einmal im Sportlerleben einen Aufstieg mitgemacht hat, weiß, was es bedeutet eine Saison auf diese Weise zu krönen. Das würde ich gerne auch einmal als Trainer erleben.

Privat: Mein Rentnerdasein möchte ich später mal gerne über die Wintermonate in südlicheren Gefilden genießen. Bis dahin dauert es aber noch ein, zwei Jährchen.

pfoschdeschuss - 20.03.2020



















Jugendspieler

FC Rotensol
SC Oberschefflenz
TSV 05 Reichenbach

Seniorenspieler

TSV 05 Reichenbach
SV Spielberg 1920
FV Ettlingenweier
TSV Pfaffenrot
SC Wettersbach

Trainerstationen

FV Alemannia Bruchhausen