Relegations-Runde
Meine Relegations-Tour


Am Freitagabend, wo sich alle Fußballfans sputen müssen, um nach dem Feierabend ein Spiel besuchen zu können, werden zwei Relegationsspiele zeitgleich angesetzt, während man den freien Sonntagmittag ungenutzt ließ. Man musste schon bis 18 Uhr warten, um in Bruchhausen den Landesliga-Aufstiegs-Knaller zu besuchen. Und so kam es, dass man am Freitag maue 80 Zuschauer beim Kick, Büchig II vs Wolfartsweier, zählen durfte … weil eben zeitgleich in Mühlburg Wössingen gegen Mörsch antrat. Sowohl für Veranstalter Bruchhausen; als auch für die Gäste aus dem Horbenloch und der Waldstraße ein Drauflegergeschäft. Die Einnahmen deckten die Aufwandsentschädigung der drei Schiedsrichter und die Verantwortlichen diskutierten über die Preisgestaltung und der Tatsache, warum Frauen in Zeiten der Gleichberechtigung kostenlos Fußballspiele besuchen dürfen.

Umso spannender war das Spiel der Büchiger Reserven gegen den ASV Wolfartsweier. Die Jungs aus Stutensee konnten ja wenige Tage zuvor den FV Bruchhausen II mit einem 5:1 knacken und waren mit Selbstvertrauen vollgetankt. Doch auf der alemannischen Spielwiese sahen die Besucher einen übermächtigen »Stickel«, der aus gefühlten fünfzig Torchancen in Durchgang eins keinen Ertrag summierte und so ging es mit einem 0:0 in die Katakomben. So kam es wie es kommen musste und die roten Reserven erzielten durch einen schönen Schlenzer von Yayla die Führung (46.). Paradox und so überraschend, als würde sich Bayern-Manager, Eberl, über die »Raffahn-Mentalität« im Profifußball beschweren. Bekanntlich wechselte der gute Max zum großen FC Bayern, weil der Leberkäse im Hofbräuhaus so gut ist. Wolfartsweier hingegen musste nun abliefern - es droht der erste Abstieg in die C-Klasse. Ein Penalty muss her; oder gar zwei, um ein Büdchen zu basteln. In der 73.Minute war es dann soweit. Referee Rosenberger zeigte auf den ominösen Punkt und der eingewechselte Erhardt scheiterte an Kevin Nagel. Doch im Anschluss an dieser Aktion wurde Prisaciuc im Strafraum gefoult - die zweite Chance und diesmal nahm Klein den Ball und verwandelte gewohnt sicher zum 1:1. Die Blauschwarzen rannten weiterhin an und kamen tatsächlich in der 89.Minute zum Siegtreffer durch Routinier, Grammer.

Es war ein sonniger Sonntag und wie eingangs erwähnt, fand sich kein einziges Relegationsspiel im Kreis Karlsruhe. Was tun, wenn das Herz nach einem Kick schreit? Die Pfalz sollte es richten und so nahm ich Herxheim ins Visier, wo um 15:00 Uhr die Viktoria Mülheim-Kärlich erwartet.

Die Konstellation der Dreier-Gruppe, um den Aufstieg in die Oberliga, versprach einen Kamikazen-Auftritt der Heimmannschaft, um mit einem Vier-Tore-Unterschied aufzusteigen. Ein Unding … aber wir haben vor kurzem das Bochum-Wunder erlebt und wir reißen uns um Fußballwunder. Ihr werdet in den nächsten Zeilen merken, dass ich die Fahrt nach Herxheim nicht bereut habe.



Stattliche Kulisse von 1200 Zuschauern; sieben Euro Eintritt und ein Grill voll Bratwürste, als wäre die Hungersnot in der Südpfalz ausgebrochen. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt … Bellheimer Lord aus der Flasche … »da musst du durch, wenn du kein Schorle-Kind bist.« Die Mülheimer brauchten nur einen Punkt und so spielten sie auch. Referee Knoll zeigte eine harte Kante; verwarnte einen Gästespieler nach 3 Minuten und einen Heim-Akteur aufgrund einer Schwalbe nach 7 Minuten. Nun spielte Herxheim auf ein Tor und nur dem Schlussmann, Tim Teschner, war es zu verdanken, dass man torlos in die Halbzeit durfte. Dann endlich die verdiente Führung der Heimmannschaft nach 53 Minuten. Clever, ganz schön clever, zum 1:0. Der FC Hertha Wiesbach, der einheitlich auf der Tribüne kauerte, jubelte. Doch nur dreizehn Minuten später die Ernüchterung. Rönz nutzte einen kapitalen Fehler in der viktorianischen Hintermannschaft zum überraschenden Ausgleich (67.) - nun waren die Mülheimer Oberligist. Schiedsrichter Knoll schaute bereits auf den Handwecker, als der eingewechselte Fuß vom Geläuf musste (86.). Er brauchte 40 Minuten um zweimal verwarnt zu werden. Doch wen interessiert das, wenn du in fünf Minuten den Aufstieg in die Oberliga feiern darfst. Doch dann kam es knüppeldick, denn die Hausherren trafen in der Nachspielzeit (90.+2) zum 2:1 und hinterm Tor der Gäste war der Teufel los. Die Hertha jubelte; die Mülheimer wären nun draußen. Getümmel, Handgreiflichkeiten die zu drei Verweisen binnen weniger Sekunden führten und auf einmal standen hier zehn Herxheimer gegen acht Kärlicher auf dem Acker. Die endgültige Entscheidung zu Gunsten der inaktiven Wiesbacher fiel dann in der 8.Nachspielminute (90.+8) mit dem 3:1. Gehrlein schob eine flache Hereingabe in die Maschen - die Gast-Elf lag im Kollektiv geschlagen auf dem Grün und der neue Oberligist jubelte auf den Rängen. Die Gesichter wurden jedoch relativ schnell zu Fratzen, denn abermals Gehrlein legte in der 9.Nachspielminute den Ball hinter die Torlinie und es stand 4:1 (90-+9). Jetzt erinnerten sich manche an Bochum und jetzt begann der ein oder andere zu rechnen, denn auch der Unparteiische machte keine Anstalten, diesen Kick abzupfeifen. Den nächsten Angriff konnte Schlussmann Teschner mit einer Glanzparade entschärfen. Der daraus resultierende Eckball brachte viel Unruhe in die Gäste-Box und plötzlich stand da Marcel Meinzer; die Kugel vor den Füßen; das Tor im Fokus und es geschah das, was man nur im Fußball erleben darf. Mit diesem 5:1 (90.+10) brachen alle Dämme und das Spielfeld glich in wenigen Sekunden einer Klima-Demonstration. Ein Neuanpfiff war hier unmöglich - Referee Knoll pfiff im Tumult das Spiel ab. Doch den nahm niemand mehr zur Kenntnis - Herxheim ist Oberligist.















Im Anschluss war Bruchhausen mein Zielort, denn hier ging es darum, ob der Karlsruher Vertreter aus Neureut im kommenden Jahr Landesligist sein wird. Das Zuschauer-Interesse war vorhanden doch das Spiel war im Vergleich zum Herxheim Kick ein Umstieg von einem Porsche auf ein Stadt-Fahrrad. Viel Passivität die dann der FC Neureut nach 43 Minuten tatsächlich zum 1:0 nutzte (Merz). Doch mit diesem Führungstor schienen die »Spundenfresser« ihre Disziplin zu verlieren, denn in den ausstehenden wenigen Minuten bis zum Halbzeitpfiff verspielten die Nullachter die komplette Saison. Yelkenkayalar (45.) und Gecaj (45.+3) drehten den Spieß. Als dann abermals Yelkenkayalar nach dem Pausenpfiff zum 3:1 traf (46.), war die Mär vom Landesliga-Kapitel der Neureuter beendet. Das 4:1 durch die Paola (85.) diente nur noch der Statistik. Damit bleiben die Nullachter in der Kreisliga - Linkenheim muss doppelt absteigen.



pfoschdeschuss - 10.06.24