Die Weltmeisterschaft 1958 fand, wie schon 1954, in Europa statt. Die Wahl fiel auf Skandinavien; genauer gesagt auf Schweden. Somit waren die Blaugelben und Weltmeister Deutschland qualifiziert. Argentinien, Brasilien und Paraguay reisten aus Südamerika an. Mexiko war der Teilnehmer aus Nord- beziehungsweise Mittelamerika. Die üblichen Verdächtigen. Italien, zweifacher Weltmeister, schied aus. Uruguay, zweifacher Weltmeister, schied aus. Einen Exoten konnte man nicht ausmachen, denn die Türken zogen zurück, weil sie sich als Europäer fühlten, sich aber in der Asien-Gruppe durchsetzen mussten. Indonesien wollte nicht in Israel antreten, sodass die Israelis gegen den afrikanischen Vertreter aus dem Sudan um das letzte Ticket kämpfen mussten. Der Sudan wiederum weigerte sich ebenfalls, in Israel zu spielen. Das Los fiel auf Israel … doch die FIFA entschied, dass keine Mannschaft zur WM fahren dürfe, die zuvor kein einziges Qualifikationsspiel bestritten hatte. Man nahm Wales als Zweiten einer europäischen Gruppe, um gegen Israel um das letzte freie Ticket zu büffeln. Die Waliser waren eigentlich schon längst ausgeschieden und kamen so durch die Hintertür zur Weltmeisterschaft, weil sie beide Spiele gegen Israel mit 2:0 gewinnen konnten.
Neu im Rund: die Sowjetunion, Nordirland und eben Wales. Damit fanden sich alle vier britischen Länder (England, Nordirland, Wales, Schottland) einmalig im Turnierplan einer Weltmeisterschaft wieder.
Just Fontaine (24) wäre wohl der Spieler des Turniers gewesen, wäre da nicht ein Siebzehnjähriger in den Reihen der Brasilianer gewesen, der auf den Namen Edson Arantes do Nascimento - kurz Pelé – hörte. Am 23. Oktober 1940 in Três Corações im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais geboren und ausgestattet mit filigraner Technik, kam er daher, als hätte er den Ballsport neu erfunden. Die Torjäger-Krone ging an den Franzosen, Fontaine, aus Marrakesch (Marokko, 13 Treffer); die Herzen und der Titel an Pelé.
In der Gruppe 1 setzte sich Weltmeister Deutschland vor Nordirland durch. Argentinien musste die Heimreise antreten. Favorit Frankreich und Jugoslawien machten in der Gruppe 2 das Rennen. Gastgeber Schweden und Vize-Weltmeister Ungarn setzten sich in der Gruppe 3 durch. Brasilien und die Sowjetunion in Gruppe 4. Das brasilianische Teenager-Sternchen machte im Viertelfinale den Unterschied zu Wales. Sein Treffer brachte die Gelbblauen ins Halbfinale (1:0 vs. Wales), während Frankreich über Nordirland spazierte (4:0). Schwerer tat sich Weltmeister Deutschland gegen die Jugoslawen (1:0). Den Goldenen erzielte der Essener Bub Helmut Rahn. Die Schweden durften die Sowjetunion über die naheliegende Grenze heimschicken (2:0).
Seine Favoritenrolle unterstrich Brasilien mit einem 5:2 über Frankreich im Halbfinale. Dreimal Pelé - und die Zuckerhut-Kicker waren bereit für Solna. Im zweiten Spiel warf der Gastgeber überraschend den Weltmeister aus dem Wettbewerb. Fritz Walter musste verletzt raus und konnte damals nicht ersetzt werden (keine Ein- und Auswechslungen möglich). Erich Juskowiak musste mit einer roten Karte runter - Schweden gewann 3:1 und stand im Finale. So stieg am 29.Juni 1958 das letzte Spiel im Råsundastadion in Solna. Die Gäste aus Südamerika beherrschten die Partie und gewannen 5:2. Das Bild des jubelnden Buben namens Edson ging um die Welt. Brasilien feierte erstmals den WM-Titel im nordeuropäischen, blaugelben Schweden.
Der Kommerz begann zu laufen – Sportartikelfirmen sahen die Möglichkeit, ihren Ruf durch Verträge mit Nationalverbänden aufzuwerten. Selbstverständlich nicht in diesem völlig verblödeten, übertriebenen Maß von heute. Mit dem Preis eines gegenwärtigem Trikots hättest du dazumal Mannschaft und Betreuerstab bezahlen können. Vier britische Mannschaften bei einer Endrunde - da rieb sich auch Umbro die Hände. Vier Umbro-Teams - ein bis heute unerreichter Wert der englischen Sportartikelfirma, die 1924 von Harold Humphreys gemeinsam mit seinem Bruder Wallace in Wilmslow bei Manchester gegründet wurde. Der Name UMBRO entstand aus: hUMphreys + BROthers.
Weltmeister Brasilien hatte Leibchen von Ceppo (Indústria de Malhas Ceppo Ltda) und Superball an. Die Trainingsklamotten stellte Athleta. Drei Firmen, die zwischenzeitlich komplett verschwunden waren. Athleta wurde allerdings 2004 wieder reanimiert und ist heute wieder erhältlich. Merchandising brachte man damals noch mit einer seltenen Erkrankung des Bewegungsapparates, oder einer Geschlechtskrankheit aus Übersee, in Verbindung.

pfoschdeschuss • 29.08.26