Pfalz-Fußball
Tolles Spitzenspiel der B-Klasse Ost



Ausgangslage:

Die Gäste reisten mit sieben Punkten Vorsprung an, die »Zweite« des Landesligisten hat jedoch noch das Nachholspiel gegen die FSV Freimersheim im April in der Hinterhand.

Die Vereine:

Die Gastgeber aus dem Ziegeldorf mit rund 7.500 Einwohnern haben eine junge Mannschaft mit fast ausschließlich Spielern aus dem Dorf oder zumindest aus der eigenen Jugend. Die Gäste vom Viehstrich bilden seit 2021 eine Spielgemeinschaft aus den Vereinen TSV 08 Freckenfeld und Sportfreunde Germania Winden. In Freckenfeld wohnen 1.500, in Winden 1.100 Menschen.

Der Ground:

Es wurde auf dem Kunstrasenplatz »Im Ludwig« gespielt, mit 78 Metern Länge hat er mit Abstand die kleinsten Maße im ganzen Fußballkreis Südpfalz. Er enstand 2004 auf dem Gelände des früheren Hartplatzes und war eigentlich nur als Trainingsplatz gedacht. Doch auf eindringliche Initiative des damaligen Kreisvorsitzenden Alois Herrmann erteilte der Südwestdeutsche Fußballverband eine Ausnahmegenehmigung. Viele gegnerische Teams haben Schwierigkeiten, die Jockgrimer haben oft einen Standortvorteil. Der Rasen im angrenzenden Stadion feierte im vergangenen Jahr 50. Geburtstag. Er wurde 1972 von der Firma verlegt, die auch für den Rasen im Münchener Olympiastadion für die Olympischen Spiele verantwortlich zeichnete. Der älteste Rollrasen im Fußballkreis hält immer noch, wird aber schnell feucht und uneben.

Die Trainer:
Für Jockgrims Sebastian Schaaf (34) ist es die erste Trainerstation. Er hütete das Tor beim VfR Kandel in der Verbandsliga. In der Saison 2014/2015 kassierte er bei seinem Heimatverein FV Neuburg nur 22 Gegentore in der B-Klasse Ost. Am Ende wurde der FVN souveräner Meister und stieg in die A-Klasse Süd auf. Auf der Kommandobrücke stand damals Michael Sommer (54), der aktuelle SG-Coach. Der frühere Profi (u.a. 1.FC Kaiserslautern, Energie Cottbus und VfR Mannheim) weiß wie Aufstieg geht, das gleiche Kunststück gelang ihm auch beim SV Olympia Rheinzabern. Beide verbindet seither ein sehr freundschaftliches Verhältnis.

Zum Spiel:

TSG Jockgrim II - SG Freckenfeld/Winden 1:3 Packende Zweikämpfe, erfrischender Offensivfußball und unzählige Torchancen auf beiden Seiten, die häufig von den bestens aufgelegten Keepern Marcel Cultiaux (TSG) und Sascha Dinies bei den Gästen entschärft wurden: Das Spitzenspiel vor 150 Zuschauern, davon kam die Mehrzahl aus Freckenfeld und Winden, erfüllte alle Erwartungen, es war zu keiner Sekunde langweilig. Vor der Pause kontrollierten die Freckenfelder Germanen weitgehend das Geschehen und führten nicht unverdient mit 1:0 durch einen diagonalen Distanzhammer von Patrick Göltz aus 23 Metern in den linken Torwinkel. Mit einem direkt verwandelten Freistoß von Spielertrainer Michael Meyer nach Foul an Manuel Simon erhöhte der Primus auf 2:0 (48.). Nach Vorarbeit von Marvin Eßwein gelang dem stärksten TSG-Akteur Lukas Mahlkuch im direkten Gegenzug der Anschlusstreffer. Die Gastgeber übernahmen das Kommando, nagelten die Sommer-Truppe im eigenen Strafraum fest. und drängten mit Macht auf den Ausgleich. Ein Esswein-Schuss landete ebenso am Pfosten wie der Abpraller von Christian König (73.), dann trafen Kapitän Jürgen Gluchmann und erneut Eßwein die Latte. Nach vier überstandenen Alutreffern machten es die Freckenfenfelder Germanen bei einem ihrer wenigen, aber stets gefährlichen Konter besser: Nach einem langen Ball legte Göltz quer auf Nico Wagner, der aus kurzer Distanz in der Nachspielzeit den Deckel drauf machte. Ganz stark war die Leistung von SG-Aushilfskeeper Sascha Dinies, der 42-Jährige war nach fünfjähriger Pause für den gesperrten Sascha Lohner eingesprungen. Er strahlte Ruhe aus, sorgte für Sicherheit in der Hintermannschaft und trug mit tollen Paraden entscheidend zum Sieg bei. Größte Glanztat war sein Reflex in der 82. Minute nach einem Schuss von Leon Leiner aus kurzer Distanz. Sehr souverän agierte Brennpunkt-Schiri René Söllner vom FV Malsch, der in seinem heimischen Fußballkreis Karlsruhe oft für Relegationsspiele oder hitzige Derbys eingesetzt wird. Am Sonntag blieb es sehr fair, dazu trug er mit ruhigem und souveränem Auftritt bei. Da er stets auf Ballhöhe war, traf er bei den zahlreichen kniffligen Entscheidungen stets die richtige Entscheidung. Danke an Einteiler Boris Dugandzic, der sonst meist die Ü70-Fraktion der badischen Referees zum Austausch über den Rhein schickt. Jockgrims Trainer Sebastian Schaaf gratulierte schon zum Titelgewinn: »Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen. Wer solche Spiele gewinnt, holt den Titel.« SG-Coach Michael Sommer analysierte: »Der Sieg war glücklich und ist um ein Tor zu hoch ausgefallen. Dennoch war er nicht unverdient. In der ersten Halbzeit hatten wir die Kontrolle, danach haben wir engagiert verteidigt und bei den Kontern weitere Möglichkeiten.«

Die dritte Halbzeit:

Der Spieler des Viehstrich-Clubs begossen den Sieg zahlreich und lange mit Feierbiest und Sturmtank David Veitinger an der Spitze auf der Clubhausterrasse. Die Frauen blieben tapfer dabei, saßen jedoch im warmen Clubhaus bei einer Tasse Kaffee. Ihre Männer bevorzugten Pfälzer Schorle und badisches Bier aus der Brauerei im Burghof in der Oststadt. Die Gastgeber reagierten sehr flexibel auf den späteren Wunsch nach "scharfen Sachen", die zunächst nicht vorrätig waren. Ein Vereinsmitglied fuhr an die Tankstelle und besorgte Asbach und Bacardi. Am späten abend ging es dann gemeinsam in einer Jockgrimer Pizzeria.

Ausblick:

Trotz zehn Punkten Vorsprung ist es noch ein weiter Weg zum Titel für die Sommer-Truppe, denn die Liga ist in der Spitze sehr leistungsstark und ausgeglichen. Die Jockgrimer enttäuschten auch in der Niederlage wahrlich nicht und haben beste Chancen auf den Relegationsplatz gegen den Zweiten der nicht so stark eingeschätzten West-Staffel. Auf den Spitzenreiter wartet am Sonntag der nächste Kracher. Gast zum Derby im heimischen Sportpark ist die viertplatzierte zweite Mannschaft des Verbandsligisten FC Bienwald Kandel. Die TSG hat mit dem Heimspiel gegen den Vorletzten VFL Essingen die wesentlich leichtere Aufgabe.



Kersten Beyer - 14.März 23