Verrückte Vögel #51
Taribo West

Wir hatten im Jahre 2001 in Deutschland die Gelegenheit, die wandelnde Zimmerpflanze höchstpersönlich zu bestaunen. Ein Hammerwechsel … die »roten Teufel« verpflichteten den späteren Pastor aus Nigeria, Taribo West. Bekannt war er für bunte Frisuren, rabiaten Körpereinsatz und dennoch stets faires Spiel. Wie sagt man so schön? Er schonte weder sich noch den Gegner. Nur zwölf Mal lief er für den 1.FC Kaiserslautern auf; Tore waren nie seine Geschichte (0).

Im Weltmeisterjahr 1974 wurde er im nigerianischen Lagos geboren … sagt man. Neunzehn Jahre später wechselte er vom Julius Berger FC zum französischen Spitzenclub AJ Auxerre (1993), mit dem er ein Jahr darauf den nationalen Pokal gewann. Kompromisslos, farbenfroh und tanzend drückte er dem Geschehen früh seinen Stempel auf. »Die Frisuren waren eine Art, meine Persönlichkeit auszudrücken und aufzufallen.« Sein Glaube zu Gott vertiefte sich in den folgenden Jahren; die Kirche nahm immer mehr Raum im Leben des »Minister of Defence« ein. Den endgültigen Durchbruch schaffte das Frisurenwunder 1996. Auf die französische Meisterschaft folgte die überraschende Goldmedaille mit Nigeria beim olympischen Fußball-Turnier. Die Hoffnung, bald einen afrikanischen Weltmeister küren zu können, war dank des Erfolgs Nigerias bei den Spielen größer denn je. »Tanzen statt Taktik«, lautete das Motto der »Super Eagles«.

Inter Mailand holte den Mann aus Nigeria ins San Siro-Stadion; es war vielleicht die beste Zeit der Abwehrkante (64/2) nach seiner Phase beim AJ aus Auxerre (99/2). Mit den Schwarzblauen gewann er 1998 den UEFA-Pokal und wagte anschließend einen Schritt, der in Mailand ebenso ungewöhnlich wie verpönt ist … West wechselte 1999 von Inter zum AC, für den er jedoch nur viermal spielte. Der Mann, der nie fror … Selbst bei kältestem Wetter trainierte der Schwarzafrikaner erstaunlich luftig. Kameraden berichteten, dass er oft still in einer Kabinenecke saß und betete, obwohl um ihn herum der Bär steppte. Vor jedem Spiel berührte er seine zahlreichen Armbänder, als würde er sich Rückendeckung von höherer Stelle holen. Er gestikulierte viel, feuerte die Zuschauer an und verbrachte auffallend viel Zeit allein im Kraftraum. Die Fans liebten ihn in jener Phase, sofern sie keine Inter-Fans waren, als er innerhalb der Stadt die Fronten wechselte. In Italien lernt man das Verteidigen wirklich bis ins Detail; Taktik ist dort eine Wissenschaft.« Nach einer Leihe nach England (Derby County) kam der Weltstar in die Pfalz (1.FC Kaiserslautern). »Gott hat mich aus dem Fußball herausgerufen, um ihm zu dienen.« Partizan Belgrad lotste Taribo nach Serbien. Kein alltäglicher Transfer, der allerdings logisch erschien, wenn man wusste, dass seine Karriere ins Stocken geraten war und die Serben mit dem Einzug in die Champions-League liebäugelten. Dort entstanden die ersten Diskussionen über das Alter des Nigerianers. Funktionäre behaupteten, der Verteidiger sei deutlich älter als in vielen öffentlichen Foren angegeben; von bis zu sechs Jahren Differenz war die Rede. »Nur Gott kennt mein wahres Alter.« Trotz geringer Einsatzzeit (7/0) wurde der bunte Vogel zum Publikumsliebling in der serbischen Hauptstadt. Ein Wechsel nach England stand 2004 kurzzeitig im Raum. Plymouth Argyle wollte den Olympiasieger in den Südwesten Englands holen. Nach mehreren Probetrainings nahmen die »Pilgrims« jedoch Abstand von einer Verpflichtung. Die Debatte um sein Alter und die Tatsache, dass sich West mehr mit Beten und Lamentieren beschäftigte als mit sportlichen Darbietungen, ließen den Verein an einem Engagement zweifeln. »Ich habe viele Tore verhindert, aber jetzt versuche ich, Seelen zu retten.«

Es wurde schließlich Al Arabi aus Katar, wo damals Gabriel Batistuta seine Katar-Riyal verdiente. Längst spielte die Religion eine übergeordnete Rolle im Leben Wests. Nach einem Abstecher in die Heimat beendete Taribo nach 42 Länderspielen (0 Tore) mit unbekanntem Alter 2007 seine Karriere bei Paykan FC Teheran im Iran.

Im Jahre 2014 gründete der ehemalige Profi die Kirche »Shelter in the Storm Miracle Ministries of All Nations« in Lagos, wo er hauptsächlich lebt und predigt. »Der Fußball war mein Beruf, aber der Dienst an Gott ist meine Berufung. Ohne Gott hätte ich weder den Fußball noch mein Leben gemeistert.«





pfoschdeschuss • 11.02.26